Anfang Februar hatte der RV NRW mit Unterstützung seiner Partner erneut eine hauptamtliche Landestrainerstelle ausschreiben können, welche es mit Wirkung zum 1. April zu besetzen galt. Aufgrund der augenblicklichen Trainerstruktur wurde ein Freistilspezialist gesucht. Gleich mehrere Kandidaten hatten sich beworben, doch die Wahl ist letzten Endes auf ihn gefallen: Cengiz Çakıcı, 48, gebürtiger Mainzer, einer großen und erfolgreichen Ringerfamilie entstammend. 

Viele kennen den sympathischen Ur-Mainzer noch aus seiner aktiven Zeit: Der zweifache Deutsche Meister (1998/85 kg und 2003/96kg), WM-, EM- und Weltcup-Teilnehmer (jeweils 2003) war nämlich für diverse Bundesligisten auf die Matte gegangen. So hatte er die Trikots des ASV Mainz 88, der RWG Mömbris/Königshofen, des KSV Aalen, des AC Bavaria Goldbach und des Flaggschiffs KSV Witten 07 getragen.

Doch auch als Trainer kann er bereits einiges vorweisen: Er besitzt die DOSB-Trainerlizenz A Leistungssport und hat schon einige Erfahrung durch seine Engagements beim ASV Mainz 88 (Jugendtrainer) und dem SV Alemannia Nackenheim (Bundesliga) erlangt. Der RingerverbandNRW ist somit seine dritte namhafte Trainerstation, auf die er sich nach eigenen Angaben ganz besonders freut: „Der Landestrainerjob in NRW ist für mich eine Herzensangelegenheit. Bereits als Jugendlicher habe ich mich hier schon wohl gefühlt und die besondere Atmosphäre genossen, als mein Bruder Ahmed (WM-Dritter 1989, Anm. d. Red.) in Witten noch gegen Leute wie Ralf Lyding auf die Matte gegangen war. Später durfte ich dann selbst unter Trainer Jörg Helmdach in dieser Mannschaft stehen und habe die tolle Zeit als sehr gewinnbringend erlebt. Es war nicht nur aus sportlicher Sicht eine außergewöhnlich schöne Erfahrung, an die ich heute noch oft zurückdenken muss. Ich kenne hier viele Leute: Nicht nur aus Witten, sondern auch aus dem NRW-Trainerteam. Daher freue ich mich ganz besonders auf die neue Aufgabe.“

Autor: Thomas Meyer

Foto: Cengiz Cakici

Olympiaticket für Tokio

Gennadji Cudinovic und Etienne Kinsinger aus dem Saarland sind aus deutscher Sicht die großen Gewinner beim europäischen Olympia-Qualifikationsturnier in Budapest. Beide Athleten holten sich in ihren Gewichtsklassen in beeindruckender Manier das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio.

Am ersten Wettkampftag erkämpften sich die deutschen Freistilringer ihr erstes Ticket. Gennadji Cudinovic (125 kg) fegte im Halbfinale Jamaladdin Magomedov (AZE) mit 16:6-Punkten von der Matte und holte mit dem Finaleinzug die Fahrkarte für Tokio. Riesen-Jubel im DRB-Team. Bundestrainer Jürgen Scheibe kann somit seinen ersten Teilnehmer in der japanischen Hauptstadt auf die Matte schicken kann. 

Cudinovic gab im Finale bereits nach einer halben Minute leicht angeschlagen den Kampf gegen den Weißrussen Dzianis Khramiankou beim Stand von 0:1 wegen einer Knieverletzung auf. Der erst ins Schwergewicht gewechselte Gennadij Cudinovic hatte selbst die Fachwelt mit seinem offensiven Kampfstil überrascht und war nach seinem souveränen Auftritt mit insgesamt 32:7 Kampfpunkten der gefeierte Held des ersten Kampftages in Budapest. Nachdem die Griechisch-Römisch-Spezialisten bei den Weltmeisterschaften 2019 in Nur-Sultan (KAZ) gleich drei Olympiatickets gelöst hatten und die DRB-Frauen mit zwei Ringerinnen in Tokio antreten werden, wird nun auch die deutsche Freistilriege beim größten Sportfest der Welt durch Gennadij Cudinovic auf der Ringermatte vertreten sein.

Gennadij Cudinovic bezwang in seinem Auftaktduell zunächst den Spanier Jose Cuba Vazquez in der ersten Runde des Kampfes mit 12:1-Punkten. Im Viertelfinale glänzte der Saarländer mit einem 5:0-Erfolg über den Albaner Paris Karebi und stieß damit die Türe zum Halbfinale auf, wo er dem Aserbaidschaner Jamaladdin Magomedov im Kampf um das Olympiaticket beim 16:6 keine Chance ließ. 

Knapp gescheitert

Auch Erik Thiele begann stark. Der Halbschwergewichtler vom KAV Mansfelder Land setzte sich im Auftaktduell gegen den Griechen Timofei Xenidis mit 11:1 durch. Im Viertelfinale stand er dem Polen Radoslaw Baran gegenüber, den er nach ausgeglichenem Duell mit 2:1-Punkten bezwang. Damit zog Erik Thiele ins Halbfinale ein, wo er dem Türken Suleyman Karadeniz mit 1:2 unterlag. Sein Schlussspurt brachte Thiele am Ende der Begegnung keine Zähler mehr auf die Punktetafel. Im Kampf um Bronze blieb Thiele beim knappen 4:3-Punktsieg über den Rumänen Albert Saritov siegreich.

Drei Mal Erstrunden-Aus

Bereits nach ihren Auftaktbegegnungen schieden die weiteren DRB-Starter aus. Der erst 21-jährige Niklas Stechele (57 kg) unterlag gegen den stark auftrumpfenden Islam Bazarganov(AZE) mit 0:5-Punkten und auch Ahmed Dudarov (86 kg) verlor seinen Auftaktkampf gegen Akhmed Makamaev (BUL) mit 1:8-Punkten. Für Alexander Semisorow (65 kg) war nach dem ersten Kampf ebenfalls Schluss. Der Ringer vom RV Rümmingen unterlag dem Slowenen David Habat mit 4:8-Zählern.

DRB-Frauen enttäuschen

Nach dem Jubel am ersten Wettkampftag der Olympiaqualifikation kehrte bei den deutschen Ringerinnen, die am Folgetag um die begehrten Fahrkarten nach Tokio kämpften, Ernüchterung ein. Keine der Frauen aus der Riege um Bundestrainer Patrick Loes erreichte das Halbfinale. 

Im leichtesten Limit bis 58 Kilo verlor Lisa Ersel gegen die Polin Iwona Matkowska glatt mit 0:10, Nina Hemmer (53 kg), eine der großen Hoffnungsträgerinnen der deutschen Ringerfrauen, verlor nach 4:0-Führung gegen Iulia Leorda zehn Sekunden vor Kampfende noch mit 6:8-Zählern und war damit im Kampf um ein Olympiaticket ebenfalls aus dem Rennen. Eine Schrecksekunde gab es für die Ringerin des AC Ückerath zum Beginn der zweiten Runde, als sich Nina Hemmer bei einem Angriff der Moldawierin das Knie verdrehte, aber nach kurzer Verletzungspause weiterkämpfen konnte. Auch die erfahrene Luisa Niemesch (62 kg) wurde noch in der ersten Runde des Kampfes von Iryna Koliadenko kalt erwischt und nach einem Wurf von der Ukrainerin auf beide Schultern gedrückt.

Zumindest zwei Kämpfe absolvierte Laura Mertens (57 kg), die in der Qualifikationsrunde Kateryna  Zhydachevska (ROU) mit 6:4-Punkten bezwang. Im Viertelfinale dann das Turnier-Aus für die deutsche Ringerin nach einer knappen 3:5-Punktniederlage gegen die Schwedin Sara Lindborg. 

Am Samstagmorgen trat mit Luisa Niemesch (62 kg) die letzte deutsche Ringerin auf die Matte. Die Athletin vom SV Weingarten hatte am Freitag in der Qualifikationsrunde gegen Iryna Koliadenko verloren. Doch die Ukrainerin schaffte den Sprung ins Finale, somit zog die DRB-Starterin in die Hoffnungsrunde ein, wo sie allerdings gegen die Weißrussin Maryia Mamashuk mit 0:3 Punkten unterlag und damit endgültig ausschied.

In den letzten Sekunden

Der Höhepunkt des Tages folgte allerdings viele Stunden später, als Etienne Kinsinger den großen Coup landete. Die Art und Weise, wie der Saarländer seinen Halbfinalkampf gegen Murat Mamadov gewann, beeindruckte auf ganzer Linie. Denn der Aserbaidschaner sah bis zehn Sekunden vor Kampfende bei der zwischenzeitlichen 3:1-Führung wie der sichere Sieger aus. Der Ringer vom KSV Köllerbach setzte alles auf eine Karte, sprang auf den Gegner, der damit überhaupt nicht rechnete, und warf ihn zu Boden. Vier Wertungspunkte zum 5:3-Sieg, der Finaleinzug und das Olympiaticket obendrauf waren der Lohn für die beherzte Aktion, mit der er den Aserbaidschaner in letzter Sekunde aus dem Rennen warf.

Schon bei seinem Auftaktkampf zeigte Kinsinger sein Kämpferherz, lag der Kaderathlet gegen Helary Maegisalu aus Estland bereits mit 0:4 im Rückstand. Doch Kinsinger kämpfte sich heran und holte noch einen knappen 5:4-Punktsieg. Im Viertelfinale gelang ihm dann ein deutlicher 8:2-Erfolg über den Kroaten Ivan Lizatovic.  Damit stieß der Saarländer die Türe zum Halbfinale weit auf, das er dann spektakulär gewann. 

Im Finale trat Kinsinger gegen den Junioren-Weltmeister von 2019, Kerim Kamal (TUR), an, der zuletzt 2020 bei dem Männern Vize-Europameister wurde. Der Köllerbacher griff beherzt an, lief jedoch in einen Konter des Türken, der mit vier Punkten bewertet wurde. Diesen Rückstand konnte der DRB-Ringer bis zum Ende der sechsminütigen Kampfzeit nicht mehr aufholen, das Duell endete mit 1:5 Punkten - Silber damit für Kinsinger. 

Eisele und Azizsir ohne Fortuna

Halbschwergewichtler Ramsin Azizsir (97 kg) hatte gleich im Auftaktkampf mit dem Finnen Arvi Savolainen ein schweres Los gezogen, gegen den Welt- und Europameister der U23 von 2019 stand der DRB-Ringer beim 0:8 jedoch auf verlorenem Posten. 

Auch Pascal Eisele (77 kg) hatte mit dem Weltmeister von 2018, Aleksandr Chekhirkin (Russland), gleich im Auftaktduell einen Weltklasseringer vor der Brust, dem er das Siegen angesichts der knappen 2:5-Niederlage sehr schwer machte. Das Olympiaticket rückte für die beiden DRB-Starter in Budapest mit der Niederlage jedoch außer Reichweite.

Am letzten Wettkampftag ging es für beide Griechisch-Römisch-Spezialisten in der Hoffnungsrunde weiter. Eisele gewann seine erste Begegnung kampflos, da der Georgier Gela Bolkvadze verletzungsbedingt nicht antrat. Im zweiten Duell traf der Ringer vom SV Fahrenbach mit Viktor Nemes erneut auf einen absoluten Weltklasseringer, der bei den Weltmeisterschaften 2017 den Titel gewann, bei den Weltmeisterschaften 2018 und den Europameisterschaften 2019 jeweils Bronze wieder mit nach Hause nahm. Diese Begegnung endete 1:1, wobei die zuletzt vergebene Wertung den Kampf zugunsten des Serben entschied. Pascal Eisele, der in Budapest insgesamt ein denkbar schweres Los gezogen hatte, trotzdem ein großes Kämpferherz zeigte, war damit aus dem Rennen um die Medaillenränge.

Ramsin Azizsir traf dagegen auf den Schweden Pontus Lund, gegen den er mit 1:2-Wertungspunkten unterlag und endgültig ausschied.

Letzte ChanceDie letzte Möglichkeit, eine Fahrkarte in die japanische Hauptstadt zu erkämpfen, gibt es beim ‚Last-Change-Turnier‘ (Welt) vom 6. bis 9. Mai in Sofia (Bulgarien).

Autor: Jörg Richter

Foto: Kadir Caliskan

Am Ende war es richtig knapp für Martina Kuenz: Die einzige Athletin im Team des ÖRSV schrammte im Halbfinale an der Olympia-Qualifikation vorbei. Die Inzingerinbelegte in Budapest am Ende den starken dritten Platz. Auch der Vorarlberger Johannes Ludescher zeigte, dass er im Konzert der Großen mitspielen beziehungsweise mitkämpfen kann. Der Klauser holte sich Rang fünf.

Martina Kuenz hatte alles im Griff. Die Polizeisportlerin legte im Limit bis 76 Kilo einen Blitzstart hin: 10:0-Auftaktsieg gegen die Litauerin Camile Gaucaite. Im Viertelfinale drückte sie sogar die Welt- und Europameisterin Yasmedin Adar aus der Türkei auf beide Schultern. Bei der knappen 1:2-Punkteniederlage gegen Natalia Vorobieva aus Russland lieferten sich beide Kontrahentinnen ein enges Gefecht. Die Olympiasiegerin gewann. Kuenz präsentierte sich auch im Kampf um Platz drei sehr willensstark: Mit 10:2 ließ die Tirolerin der Norwegerin Maria Solheim keine Chance. „Mit dieser Weltklasseleistung und den Vorergebnissen wäre Martina in jeder anderen olympischen Sportart für die Spiele qualifiziert gewesen, nur in unserer Sportart gibt es dieses unfaires Qualifikationssystem, sehr zum Nachteil der kleinen Nationen“, ärgerte sich ÖRSV-Präsident Mag. Thomas Reichenauer, der beim Weltverband kämpft, um ein gleiches faires System (wie im Judo) zu schaffen. Selbst ÖRSV-Sportdirektor Benedikt Ernst stellte Kuenz bei ihrem Auftritt in der ungarischen Hauptstadt ein sehr gutes Zeugnis aus: „Martina hat in diesem Sieg mit dem Sieg in Nizza und dem Erfolg über Adar gezeigt, dass sie gewinnen. Für sie ist es ein wichtiger Schritt in ihrer Karriere. Unser gestecktes Ziel war das Erreichen des Finales, um damit das Ticket zu lösen“, verweist Ernst im gleichen Atemzug auf die schwere Auslosung in Ungarn. „Trotzdem hat Martina die Fähigkeiten große Ringerinnen zu bezwingen“, zeigt er sich sehr zufrieden mit ihrem Auftritt. Allein im Halbfinale gegen die Russin gab es drei Passivitätsentscheidungen. „Der ÖRSV ist sehr stolz auf sie“, blickt der Sportdirektor nach vorn. Vor der zweiten Olympia-Qualifikation in Sofia (Bulgarien) geht die Inzingerin noch bei den kontinentalen Titelkämpfen in Warschau auf die Matte. Weitere Kämpfe auf hohem Niveau bringen Kuenz nicht nur internationale Wettkampferfahrung, sondern dadurch auch mehr Selbstvertrauen. „Ich traue ihr in Sofia auf jeden Fall den großen Coup zu“, weiß Ernst, dass Kuenz zu den Topringerinnen gehört. Doch dazu braucht sie eine außerordentliche Leistung, um auch unbequeme Gegnerinnen zu Fall zu bringen.

Kleines Finale verloren

Auch im Freistil gab es eine sensationelle Leistung des Schwergewichtlers Johannes Ludeschervom KSK Klaus. Gleich in der ersten Runde besiegte er den Bulgaren Georgi Ivanov mit 3:0-Wertungspunkten, musste sich aber in der Folge dem U23-Weltmeister Dzianis Khramiankouaus Weißrussland trotz 1:0-Pausenführung technisch geschlagen geben. In der Hoffnungsrunde trumpfte Ludescher gegen den Lokalmatadoren Daniel Ligeti aber mit einem 7:1-Sieg auf. Im kleinen Finale setzte es eine zu hohe 0:8-Niederlage gegen den Russen Shamil Sharipov. Platz fünf für den Vorarlberger. „Ludi hat die taktischen Aufgaben umgesetzt. Gegen den Weißrussen hat alles gepasst, bis dieser eine Moment kam. Dann fiel das gesamte Kartenhaus in sich zusammen“, verweist ÖRSV-Sportdirektor und Freistil-Bundestrainer Jörg Helmdach auf die fünf in Folge angewandten Beinschrauben seines Gegners, die zur deutlichen 1:12-Niederlage führte. Trotzdem sei das Turnier richtig gut für ihn gewesen. „Wir sehen jetzt, dass er mehrere Kämpfe bei einem Turnier ringen kann. Schlussendlich geht es bei ihm nur noch um das Umsetzen von Inhalten“, führt Helmdach weiter aus. Die im April stattfindende EM sei nur ein Zwischenschritt. Für die Olympia-Qualifikation habe dies keine Bedeutung. Johannes Ludescher wertet sein Auftreten in Budapest als weitere Steigerung zu den vergangenen Turnieren. Er sei mit den beiden Siegen natürlich sehr zufrieden. Aus seiner Sicht verliefen die Kampfverläufe gegen den Weißrussen und Russen sehr unglücklich. „Viel hat nicht gefehlt“, spricht er in seiner Bilanz über das Duell gegen Dzianis Khramiankou. „Es hätte ein richtig knapper und geiler Kampf werden können.“ Nichtsdestotrotz habe er viel Positives aus dem Turnier mitgenommen. 

Autor: Stefan Günter

Foto: Kadir Caliskan


Rom/Kiev – Es geht in Richtung Olympische Spiele, die mit einjähriger Verspätung im Sommer in Tokio (JPN) ausgetragen werden und nach langer Wettkampfpause nehmen nun zahlreiche Weltklasseathleten eine internationale Standortbestimmung vor. Die wenigen Wettkämpfe, die vor den anstehenden Olympia-Qualifikationsturnieren in Budapest (HUN) und Sofia (BUL) im Terminkalender stehen, sind damit prall gefüllt.So auch die beiden Turniere in Italien und der Ukraine, wo starke Teilnehmerfelder gute- und spannende Kämpfe versprechen. 


Größere Anziehungskraft hat das UWW-Ranglistenturnier ‚Matteo Pellicone‘ in Rom, wo auch Ringernationen aus Übersee ihre Teilnahme gemeldet haben und es unter anderem zum Kampf des Lokalmatadoren Frank Chamizo gegen Jordan Burroughs im Limit bis 74 Kilo kommen könnte, ein Duell, dass schon allein Ringkampf vom Allerfeinsten verspricht.  Rappelvoll sind die einzelnen Gewichtsklassen im Freistil, im griechisch-römischen Stil und auch bei den Frauen, ein Turnier mit Weltklasse-Charakter steht damit am 4. bis 7. April im Terminkalender des Ringer-Weltverbandes United World Wrestling. Das UWW-Rangfolgeturnier wird vor den Toren Roms, in der Hafenstadt Ostia ausgetragen, ein geschichtsträchtiger Ort, an dem 1990 die erste gesamtdeutsche Nationalmannschaft im griechisch-römischen Stil, nach der Wiedervereinigung um WM-Medaillen kämpfte. 


Bereits an diesem Wochenende treffen sich große Teile der Weltspitze beim ‚XXIV Outstanding Ukrainian Wrestlers and Coaches Memorial‘ in Kiev (UKR), an dem auch die Freistilasse aus Deutschland, Österreich und der Schweiz teilnehmen, um gegen die besten Ringer aus ganz Europa, aber auch aus Usbekistan, Kirgisien, dem Iran und dem Gastgeberland Ukraine zu bestehen. Der Blick der Trainer und Athleten geht dabei natürlich über Kiev hinaus, hin zum Olympia-Qualifikationsturnier (Europa), dass vom 18. bis 21. März in Budapest (HUN) ausgetragen wird.
Die deutschen Freistilringer, die am ‚XXIV Outstanding Ukrainian Wrestlers and Coaches Memorial‘ in Kiev (UKR) teilnehmen:

57 kg: Niklas Stechele

61 kg: Viktor Lyzen

70 kg: Alexander Semisorow

74 kg: Lennard Wickel

86 kg: Ahmed Dudarov

97 kg: Wladimir Remel

125 kg: Gennadij Cudinovic

Autor & Bild: Jörg Richter

Der Ringkampfsport ist in Brandenburg mit dem Bundesstützpunkt in Frankfurt(O.), dem Regionalstandort Luckenwalde und sechs Landesstützpunkten hervorragend aufgestellt. Zahlreiche lizenzierte Trainer und Übungsleiter in den insgesamt 13 Vereinen kümmern sich um die sportlichen Belange der Athleten.

Mit dem Bundesstützpunktleiter blieb bislang eine wichtige Stelle unbesetzt, der alle drei Stilarten, sowie Serviceleistungen der Partner und staatlicher Institutionen koordiniert. Der Deutsche Ringer-Bund schaffte nun Abhilfe und berief mit Francis Weinhold einen Bundesstützpunktleiter, der nun alle Belange im Umfeld der Athleten und Trainer regelt und Kontakte zu den Partnern wie Olympiastützpunkt, Landesstützpunkt, Ringer-Verband Brandenburg, aber auch zur Eliteschule des Sports pflegt und das nicht nur in Frankfurt(O.), sondern auch am Regionalstützpunkt in Luckenwalde.

Francis Weinhold, der im Januar dieses Jahres seinen 28. Geburtstag feierte, ist mit den örtlichen Verhältnissen bestens vertraut. Er war von 2006 bis 2012 selbst Sportler am Leistungszentrum, seine Trainer waren damals Harald Stern und danach Heinz Thiel, der als Stützpunktleiter die Fäden am Standort in bewährter Art und Weise zusammen hielt. Im Juniorenbereich wurde er von Sebastian Möser betreut.

Das Ringer-ABC erlernte Francis Weinhold beim KSV Pausa, seinen letzten Erfolg holte er für die Vogtländer 2016 mit Bronze bei den Deutschen Meisterschaften in Saarbrücken. Bis vergangenes Jahr kämpfte Weinhold noch in der Bundesliga, war zuletzt für den FC Erzgebirge Aue aktiv und unterschrieb für die Saison 2020 beim AV Germania Markneukirchen, wo er allerdings nicht zum Einsatz kam, da die Saison coronabedingt abgebrochen wurde. 

In Frankfurt(O.) und Luckenwalde gibt es für Francis Weinhold ein großes Aufgabengebiet, denn mit Christian John, Franz Richter (beide 130 kg), Erik Weiß (67 kg/alle griechisch-römischer Stil) und Francy Rädelt (76 kg) halten sich vier Athleten als Ersatzkader für die Olympischen Spiele in Tokio bereit, wobei in diesen Gewichtsklassen die Tickets bereits durch Eduard Popp (130 kg/VfL Neckargartach) und Frank Stäbler (67 kg/KSV Musberg), sowie Aline Rotter-Focken (76 kg/KSV Krefeld) nach Deutschland geholt wurden. Im Falle einer Verletzung dieser Ringer stehen unsere Athleten bereit“, so die beiden Stützpunkttrainer Artur Dzigasov(griechisch-römischer Stil) und Michael Kothe (Frauen), die sich um die Spitzenkader am Standort kümmern. Dazu kommt Erik Thiele (97 kg/Freistil), der sich ebenso wie Lisa Ersel (50 kg) noch große Hoffnungen auf ein Olympiaticket bei den anstehenden Qualifikationsturnieren in Budapest (HUN) und Sofia (BUL) macht, sowie Luzie Manzke (62 kg), die nach ihrer Verletzung wieder um Anschluss kämpft und die Weltmeisterschaft im Oktober in Oslo (NOR) im Auge hat. „Lisa Ersel hat sich mit Bronze beim Weltcup und einer starken Turnierleistung beim Grand-Prix von Frankreich für die Olympia-Qualifikation ins Gespräch gebracht, Andrej Ginc überzeugte hingegen beim Grand-Prix von Kroatien mit Bronze und hat nun gute Chancen das Limit bis 63 Kilo bei den anstehenden Europameisterschaften in Warschau (POL) zu besetzen“, freut sich Francis Weinhold über die jüngsten Erfolge der Athleten aus dem Bundesstützpunkt.

„Wir sind gut aufgestellt, in allen drei Stilarten gibt es viel Potential, aber es ist auch wichtig, dass in uns gesetzte Vertrauen mit sportlichen Leistungen zu bestätigen. Denn wir haben hier in Brandenburg beste Bedingungen für den Leistungssport“, will Francis Weinhold fortan mithelfen, die Erfolgskette Brandenburger Ringer auf nationaler und internationaler Ebene fortzusetzen.

Ringsport-Magazin sprach mit dem neu berufenen Bundesstützpunktleiter Francis Weinhold.

Du bist wieder zurück an einstiger Wirkungsstätte, nur nicht als Athlet, sondern als Leiter des Bundesstützpunktes Ringen. Wie kam es dazu, dass Du 2006 hierher an die Eliteschule des Sportes gekommen bist, denn ursprünglich stammst du ja aus dem Vogtland?

Weinhold: Stimmt, ich habe beim KSV Pausa das Ringen erlernt, bin dann an das Sportgymnasium nach Leipzig gewechselt. 2006 bin ich nach Frankfurt an die Oder gekommen, weil hier die Bedingungen, aber auch das Trainerteam einfach gestimmt haben. Es war eine sehr harte, aber auch schöne Zeit.

Es war damals eine starke Trainingsgruppe mit Christian John oder Mirko Englich?

Weinhold: Ja, unsere Trainingsgruppe war eine eingeschworene Mannschaft und ich habe auch sehr viel von den älteren Ringern am Stützpunkt profitiert. Auch das Internatsleben hat mir nichts ausgemacht, ich fand es damals cool mit meinen Freunden aufzuwachsen und auch mit den Erziehern, auch mit den Trainern hat alles gepasst.

Gleich mehrere ehemalige Trainingsgefährten haben nun eine Trainerlaufbahn eingeschlagen.Erleichtert das Deine Arbeit am Stützpunkt, wenn die Drähte in viele Vereine noch glühen?

Weinhold: Natürlich sind die Kontakte zu den ehemaligen Weggefährten sehr wichtig. Ich selbst habe ja 2016 in Potsdam eine Trainingsgruppe geleitet, während meines Lehramtsstudiums in Potsdam damit mehr als nur in den Trainerbereich hineingeschnuppert und später als Referent für Aus- und Weiterbildung beim Ringer-Verband Brandenburg auch viele Trainer angeleitet. Bis vergangenes Jahr habe ich auch noch in der Bundesliga gekämpft, wollte mich mit den Besten messen. Nach dem Studium stand für mich die Frage in den Lehrerberuf zu gehen, oder im Leistungssport zu arbeiten. Ich habe das Feuer für den Leistungssport nie verloren und mich dann letztendlich für die Tätigkeit im Leistungssport entschieden. Ich kenne das Potential in Brandenburg und freue mich auf die gemeinsame Arbeit.

Welche Ziele hast Ddir in der neuen Tätigkeit als Leiter des Bundesstützpunktes gesteckt?

Weinhold: Zunächst einmal gibt es in Brandenburg so viele Ringerfamilien, die den Ringkampf leben, ehemalige Trainingsgefährten, die nun selbst Kinder haben, die sich auch wieder dem Ringen verschrieben haben. Hier dann eine führende Rolle einzunehmen ist für mich eine Berufung, Motivation und Herausforderung zugleich. Dazu kommen viele Bundeskader in allen Stilarten und ein starkes Trainerteam. Am Ende ist Erfolg ein Gemeinschaftsprodukt. Ich will mit Hilfe der vorhandenen Gegebenheiten jungen Athletinnen und Athleten, die an den Bundesstützpunkt kommen die Möglichkeit bieten, ihre sportlichen Ziele zu verwirklichen. 

Interview: Jörg Richter


Schon seit mehreren Jahren dauert der Rechtsstreit zwischen dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) und der Deutschen Ringerliga (DRL) an. Vor nunmehr fünf Jahren scherten fünf unzufriedene Teams aus dem Ligenkonstrukt des DRB aus und bildeten nach dem Vorbild Eishockey eine eigenständige Ringerliga. Der Deutsche Ringer-Bund ging gegen diese Vereigenständigung vor und der Streit über ‚Sein oder Nichtsein der Deutschen Ringerliga‘ landete vor Gericht. Gleichzeitig verschärfte der DRB seine Satzungen und Ordnungen und drohte zusammen mit dem Weltverband (UWW) den Athleten mit Sanktionen, wenn sie für Mannschaften der DRL antreten. Dies hielt einige Bundeskaderathleten davon ab, sich den DRL-Mannschaften aus Weingarten, Ispringen, Nendingen, Schifferstadt, oder Eisleben anzuschließen, die folglich nur noch mit ausländischen Spitzenringern auflaufen konnten. Gegen diese Androhung von Sanktionen ging wiederum die Deutsche Ringerliga vor und bekam nunmehr vor dem Oberlandesgericht Nürnberg Recht. „Im Detail wurden die Sperren gegen Ringer, die in der DRL gestartet sind, auf Grund der damaligen DRB-Satzung, in der dieses Szenario schlicht und ergreifend nicht vorgesehen war, für nicht zulässig angesehen“, so die Reaktion aus der DRB-Vorstandsetage auf das Urteil. 
 
Aufatmen bei den DRL-Vereinen, wobei DRL-Präsident Werner Koch die Türen für die Deutsche Ringerliga endgültig geöffnet sieht, DRL-Anwalt Dr. Jörg Gstöttner aber auch Schadensersatzforderungen gegen den DRB nicht ausschließt. Sorgenfalten bereitet dieser Richterspruch hingegen nicht nur den Verantwortlichen des Deutschen Ringer-Bundes, sondern auch zahlreichen anderen Spitzensportverbänden, denn mit diesem Urteil könnten zum Beispiel auch europäische Fußballvereine eine eigenständige Superliga gegen den Willen der UEFA oder FIFA gründen. „Ganz so schlimm wie beim Bosmann-Urteil ist es nicht, aber diese Entscheidung, die Hoheit der etablierten Spitzenverbände aufzuheben, könnte schon für Unmut in der Sportwelt sorgen“, so Florian Geiger, DRB-Vize für Bundesligaangelegenheiten.

„Wir müssen die Bundesliga und auch die Zweite Bundesliga, die im kommenden Jahr wieder entstehen soll für die Vereine interessant und attraktiv machen“, steht Geiger vor einer Mammutaufgabe. Denn in den vergangenen Jahren verweigerten zahlreiche Vereine einen eben erst erkämpften Aufstieg in die höhere Liga, da die Aufstiegspflicht in den Landesverbänden teilweise ausgesetzt wurde.
 
Für den Deutschen Ringer-Bund sollte die Bundesliga eigentlich nur ein Nebenkriegsschauplatz sein, hat der Dachverband im olympischen Ringkampf ganz andere Aufgaben, aber die Bundesliga ist nun Mal das öffentlichkeitswirksamste Instrumentarium im Werkzeugkasten des nationalen olympischen Ringkampfes. Das macht die Bundesliga zu etwas mehr als nur einen ‚Nebenkriegsschauplatz‘ für den Verband. 
Für die Vereine ist die Bundesliga hingegen das Überlebenselixier. Trainer, Wettkampfkosten und Trainingslehrgänge, aber auch Ferienlager der Ringer-Kids werden aus den Sponsoringeinnahmen des Liga-Bereiches querfinanziert, das Bundesligateam gilt damit als Aushängeschild des Vereins. Damit driften die Ziele zwischen Verein und Verband oftmals weit auseinander, denn für den Verein zählen Erfolge in der Bundes-, Regional- oder Oberliga, für den Deutschen Ringer-Bund sind es hingegen Teilnahmen an Olympischen Spielen und internationale Erfolge mit denen er beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und beim Bundesministerium des Innern (BMI) punkten kann und damit auch Fördermittel bereitgestellt bekommt.
 
Zwischen dem Deutschen Ringer-Bund und der Deutschen Ringerliga war das Band komplett zerrissen, zudem wurde viel Geld für Anwalts- und Gerichtskosten 'verbrannt'. Dabei kann der eine nicht ohne den anderen, zudem zählen die fünf DRL-Vereine zu den finanzstärksten Ringerclubs in Deutschland. Obendrein litt das Ansehen der wohl ältesten Sportart der Welt unter diesen Streitigkeiten enorm, die selbst großartige Erfolge einzelner Athleten, wie Frank Stäbler, Denis Kudla, oder Aline Focken vor der breiten, sportinteressierten Öffentlichkeit in den Hintergrund rücken ließen. 
 
Im Herbst wählt die Mitgliederversammlung des Deutschen Ringer-Bundes ein neues Präsidium, dass die Thematik dann sicher wieder aufgreifen muss. Mit dem Landtagsabgeordneten Jens-Peter Nettekoven (NRW) und dem Sportmediziner Klaus Johann (SRL), stehen zwei Kandidaten bereit, die sich für die Nachfolge des langjährigen DRB-Präsidenten Manfred Werner bereits in Stellung gebracht haben. Wer es am Ende auch immer wird, der neue Präsident und sein Team erwartet schwere Aufgaben, nämlich Gräben zu schließen, persönliche Befindlichkeiten auszuräumen und alle, die im Ringen etwas bewegen wollen, an einem Tisch - zum Wohle des Ringens - zusammenzubringen. 

Autor: Jörg Richter

Foto: Kadir Caliskan

Er hat einen deutschen Namen, doch auf seinem Ringertrikot prangen die Buchstaben NOR für Norwegen. 2017 feierte der 26-jährige Felix Baldauf seinen bislang größten Erfolg, als er in Novi Sad (Serbien) Europameister wurde. Auf dem Weg zum Titel bezwang er unter anderen die beiden Weltspitzenringer Artur Aleksanyan (Armenien) und im Finale auch den Weißrussen Aleksander Hrabovik. Bei den European Games 2019 in Minsk (Weißrussland) gewann Baldaufhinter Aleksanyan und Hrabovik die Bronzemedaille.

Heute blickt Felix Baldauf auf die bevorstehenden Olympia-Qualifikationswettkämpfe in Budapest (Ungarn) und Sofia (Bulgarien), will im Sommer bei den um ein Jahr verschobenen Olympischen Spielen in Tokio dabei sein. 

Der Heimatverein von Felix Baldauf ist Il Braatt  in Kristiansund, wo er von Eren Gjaegtvik, am Stützpunkt in Oslo auch von Auswahltrainer Fritz Aanes trainiert wird. 2004 trat Baldauf, der heute noch hervorragend Deutsch (mit einem Schuss Sachsen-Anhaltinischen Dialekt) spricht, erstmals auf die Ringermatte.

Ringsport-Magazin sprach mit dem norwegischen Athleten, der sich aber auch auf die Heim-WM im Oktober, in Oslo, freut und auf dem Weg zu den Höhepunkten des Jahres 2021 Trainingspartner in Deutschland, Ungarn und Kroatien sucht. 

Felix, Deine Wurzeln sind in Sachsen-Anhalt, wie kam es zum Umzug nach Norwegen?

Baldauf: Meine Mutter ist vom damaligen Köthen, berufsbedingt, aber auch aus Neugier, nach Norwegen ausgewandert. Mittlerweile ist sie aber wieder nach Deutschland zurück, ich aber bin in Norwegen geblieben.

Land und Leute in Norwegen sind vielen Lesern nicht allzu sehr geläufig. Wie würdest Du das Land der Fjorde beschreiben?

Baldauf: Die Norweger sind relaxt und sehr offen. Norwegen ist ein wunderschönes Land, die Natur hier ist einfach überwältigend.

Du hast einige Tattoos, wofür stehen sie? 

Baldauf: Sie beflügeln mich. Es ist wie eine Sucht, einmal unter der Stechnadel und man kann nicht mehr aufhören, trotz der Schmerzen (lacht). Für mich ist es eine Art Hobby, man kann es auch als meine Kriegsbemalung ansehen. Die Tattoos sind auch mein Ansporn beim Ringen, es sind hier auch einige Sprüche verewigt, die mich immer wieder an meine Ziele erinnern, sozusagen hautnah.

Wenn Du Dich selbst beschreiben müsstest, was sind Deine Stärken, was Deine Schwächen?

Baldauf: Ich habe eine starke Physis und mir nach so vielen Ringerjahren ein großes technisches Repertoire im Stand und Boden angeeignet. Ausheber und Armdrehschwung sind dabei meine Lieblingstechniken. Meine Schwäche sind die vielen Verletzungen, die mir in den letzten Jahren kein kontinuierliches Training ermöglicht haben. 

Gibt es im Vergleich zu den deutschen Ringern Unterschiede im Kampfstil?

Baldauf: Wir Norweger haben nicht so viele technische Genies hier und dies müssen wir mit Kampfgeist kompensieren. Unser Nationalteam besteht aus etwa zwölf Ringern, da ist Feintuning wie in anderen Nationen nicht möglich. Trotzdem oder gerade deswegen erringen wir internationalen Erfolge.

In den letzten Jahren hast du in der Deutschen Bundesliga beim 1. Luckenwalder SC, SV Germania Weingarten und beim RSV Rotation Greiz gekämpft. Was waren das für Erfahrungen?

Baldauf: Mir gefällt es in der Bundesliga zu kämpfen und ich nehme dabei auch das Hin- und Rückfliegen dafür gern in Kauf. Auch in der neuen Saison stehe ich wieder bereit, vielleicht erneut dem RSV Rotation Greiz. Letzte Saison konnte ich leider mein Können coronabedingtbeim RSV Rotation nicht zeigen.

Wie stark schränkt Dich die Corona-Pandemie derzeit ein?

Baldauf: Sehr. Die größte Herausforderung sind die Sparringspartner, die durch das Verbot des Reisens einfach fehlen. Auch ich muss mir überlegen, wohin ich reise, welche Quarantänebestimmungen es dort gibt. International ist es momentan extrem schwierig, die Olympia-Qualifikation steht bei mir noch aus. Das schaffe ich nur, wenn ich mit den Besten auf der Matte trainiere.

Du bist in den Turniervorbereitungen in Ungarn, nimmst MittJanuar am Grand Prix in Zagreb teil. Was liegt noch auf dem Weg zur Olympia-Qualifikation? 

Baldauf: Momentan läuft in Ungarn meine Wettkampfvorbereitung auf vollen Touren für dieses Turnier in Zagreb, danach steht ein einwöchiger Lehrgang in Kroatien an. Im Anschluss geht es nach Hause und dann erneut nach Ungarn. Mein Ziel ist es, beim Europa-Qualifikationsturnier in Budapest meine Qualifikation für Tokio zu holen. 

Was würdest Du jungen Nachwuchsringern empfehlen, die einen leistungssportlichen Weg einschlagen und sich ebenfalls das Ziel Olympiateilnahme setzen?

Baldauf: Man muss schon in jungen Jahren ordentlich Gas geben, trainieren so oft es geht, sich auf seine Ziele fokussieren und trotzdem bei Allem noch Spaß am Leistungssport haben”.

Autor: Jörg Richter

Weltmeister kehrt nochmals zu denRedDevils zurück

Der dreifache Weltmeister im Ringen, Frank Stäbler, kehrt zum Abschluss seiner Karriere wieder zum Ringer-Bundesligisten Red Devils Heilbronn zurück. Der 31-jährige sechsfache Ringer des Jahres wird in seiner letzten Bundesliga-Saison 2021/22 wieder für die Unterländer auf die Matte gehen, nachdem er in der abgebrochenen Saison 2020/21 beim ASV Schorndorf unter Vertrag stand, durch den vorzeitigen, coronabedingten Abbruch aber nur einen Kampf bestreiten konnte.

Bereits von 2017 bis 2020 war Frank Stäbler das Aushängeschild der Ringer der Red Devils. Nach dem Viertelfinale im ersten Jahr, zogen die Roten Teufel 2019 ins Finale der Ringer-Bundesliga ein, unterlagen nur knapp mit einem Punkt dem SV Wacker Burghausen. Höchst umstritten scheiterten sie im Folgejahr im Viertelfinale beim ASV Mainz.

Nachdem die Heilbronner in der vergangenen Corona Saison 2020/21 keine Mannschaft für Bundesliga gemeldet hatten, wechselte Stäbler im vergangenen Sommer nach Schorndorf. Lediglich für sechs Minuten und

einen Sieg konnte Stäbler für die Spartaner auf die Matte, dann wurde die Saison abgebrochen. Für die Saison 2021/22 wurden nun die Karten neu gemischt und beide Vereine bemühten sich sehr intensiv um die Dienste von Frank Stäbler. Letztlich gaben die drei erfolgreichen Jahre und das besondere Verhältnis zu Red Devils-Präsident Jens Petzold den Ausschlag für die Red Devils Heilbronn. „Ich freue mich sehr auf meine Abschiedssaison gemeinsam mit den Red Devils. Beim ASV Schorndorf

bedanke ich mich sehr herzlich für die immer sehr freundschaftlichen und vertrauensvollen Gespräche. Ich wünsche den Spartanern alles Gute für die Zukunft und freue mich schon auf die Derbys“, sagte der Europameister im griechisch-römischen Stil von 2012 und 2020.

Gemeinsam mit Stäbler kehren auch seine beiden Trainingspartner Mohammad Papi (66 kg, ASV Schorndorf) und Marius Braun (86 kg, KSV Köllerbach) zu den Devils zurück. „Das Halbfinale ist unser Minimalziel. Nach der enttäuschenden Halbfinalniederlage von 2019 haben wir mit der Liga noch eine Rechnung offen“, so Frank Stäbler, der mindestens zwölf Kämpfe in der Klasse bis 75 Kilogramm bestreiten möchte.

„Wir sind überglücklich, dass sich Fränky entschieden hat, seine Karriere in der Bundesliga bei den Red Devils zu beenden. Jeder, der Frank Stäbler nach den Olympischen Spielen nochmals ringen sehen will, kann ihn in Heilbronn erleben. Wir bedanken uns bei Fränky für sein Vertrauen, seine eindrucksvolle Geschichte bei und mit uns zu Ende zu schreiben. Wir freuen uns auch, Marius Braun und Mohammad Papi wieder im Red Devils Dress zu sehen. Alle drei sind nicht nur sportlich sondern auch menschlich ein großer Gewinn für unser Team“, so Jens Petzold, der Präsident der Red Devils Heilbronn.

International wird Frank Stäbler weiterhin für seinen Heimatverein KSV Musberg starten. Das Engagement bei den Red Devils Heilbronn bezieht sich ausschließlich auf die Kämpfe in der Bundesliga. 

Autor: Stefan Günter

Foto: Kadir Caliskan

Rostock – Wie die Familie von Lothar Metz mitteilte, verstarb der Olympiasieger von 1968 in Mexiko am 16. Januar nach langer Krankheit. 
Lothar Metz, geboren 1939 in Meerane, führte ihn der Weg in seiner Jugendzeit ins erzgebirgische Auerbach, wo er zum Ringkampf fand.   Metz war sportlich talentiert, probierte sich im Skispringen, aber auch in der Leichtathletik aus. Doch die Trainer attestierten ihm beste Voraussetzungen für den Ringkampfsport. Und sie sollten Recht behalten, bereits mit 19 Jahren gewann Lothar Metz Bronze bei den Weltmeisterschaften 1958 in Budapest (HUN). 

Doch intensives Training und Schichtarbeit in den Strumpfwerken von Auerbach/E. ließen sich kaum vereinbaren und so folgte Lothar Metz dem Ruf des ASK Rostock, einem der neu gebildeten Sportclubs der damaligen DDR, wo beste leistungssportliche Bedingungen-, aber auch berufliche Perspektiven geboten wurden. 

Der Wechsel in den Norden der DDR erwieß sich als gute Entscheidung, bereits ein Jahr später gewann Metz bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 die Silbermedaille, nur dem Bulgaren Dimitar Dobrev musste sich der Mittelgewichtler (87 kg) geschlagen geben. Der Griechisch-Römisch-Spezialist revanchierte sich für die Niederlage gegen Dobrev ein Jahr später mit einem Sieg bei einem Turnier in Bukarest (ROU). Der nächste, große Medaillengewinn gelang Lothar Metz 1964 bei den Olympischen Spielen in Tokio (JPN) mit Bronze. Nun fehlte nach Silber in Rom 1960 und Bronze in Tokio das I-Tüpfelchen seiner glanzvollen Ringerlaufbahn, die er dann 1968 mit der olympischen Goldmedaille in Mexiko krönte. Im entscheidenden Kampf um Gold bezwang Lothar Metz den Rumänen Nicolae Negut, bei einer Niederlage wäre es der 4. Platz geworden. Die olympische Goldmedaille bezeichnete Metz als wichtigsten Erfolg seiner Laufbahn, für ihn war sie ein Ergebnis jahrelangen, intensiven Trainings unter dem langjährigen Nationaltrainer Fritz Schubert, der wie Metz aus dem Erzgebirge kam, nur wenige Kilometer von Auerbach entfernt, in Gelenau beheimatet war. Doch Lothar Metz stand in Mexiko nicht allein auf dem höchsten, sportlichen Thron, auch sein Trainingspartner Rudolf Vesper aus dem Armeesportclub Rostock, gelang im Weltergewicht der Sprung auf das oberste Treppchen. Damit kehrten zwei deutsche Ringer als Olympiasieger aus Mittelamerika zurück, ein Erfolg der einmalig in der deutschen Ringergeschichte ist. 

Lothar Metz startete 4 Jahre später noch einmal bei einem Olympischen Turnier, in München 1972 blieb ihm jedoch der Sprung auf das Siegertreppchen verwehrt.  Danach beendete er seine aktive Laufbahn, studierte an der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport. Lothar Metz schloss das Studium als Diplomsportlehrer ab und der dreifache Medaillengewinner bei Olympischen Spielen gab seine Erfahrung bis 1989 als Nachwuchstrainer an junge Rostocker Ringer weiter. 
Lothar Metz gilt damit als einer der erfolgreichsten deutschen Ringer, er galt als bescheiden und zurückhaltend, stand nicht gerne im Rampenlicht der Öffentlichkeit. Den nationalen- und internationalen Ringkampf verfolgte Lothar Metz zuletzt mit etwas Abstand, widmete sich vor allem seiner Familie. Einzig die Treffen mit den ehemaligen, Rostocker Weggefährten waren noch Berührungspunkte mit dem Ringkampf, bei denen alte Erinnerungen wachgerüttelt wurden. 

Lothar Metz (re.) und Rudolf Vesper (beide ASK Rostock) gewannen 1968 in Mexiko Olympiagold im griechisch-römischen Ringkampf.

Deutsche Olympiasieger im Ringen:

1896 Carl Schumann

1960 Wilfried Dietrich

1968 Lothar Metz

1968 Rudolf Vesper

1984 Pasquale Passarelli

1992 Maik Bullmann

Autor & Bild: Jörg Richter

Frankfurt(O.) - Mit Artur Dzigasov engagiert sich seit Mitte November einer der besten Trainer der Welt am Bundesstützpunkt der Ringer in Frankfurt(O.). Zahlreiche Medaillengewinner bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften wurden durch ihn am Leistungszentrum ‚Konza Zaspa‘ in Kiew (UKR) geformt. Als aktiver Ringer kämpfte Artur Dzigasov 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta, wo er unter Anderem auch den Frankfurter Erik Hahn bezwang.Bereits 2014 lud der Ringer- Verband Brandenburg die ukrainische Nationalmannschaft mit ihrem Trainer Artur Dzigasov nach Frankfurt(O.) ein, wo man gemeinsam trainierte und auch einen Freundschaftskampf absolvierte. RVB-Präsident Danny Eichelbaum (MdL) organisierte für die ukrainische Auswahl damals einen Besuch im Potsdamer Landtag, wo sie vom Vizepräsidenten des Landtags Dieter Dombrowski herzlich begrüßt wurde.


Die Kontakte zwischen den Ringern in Brandenburg und der Ukraine wurden bis heute aufrecht erhalten, was 2020 dazu führte, dass Erfolgstrainer Artur Dzigasov für den Bundesstützpunkt an der Oder gewonnen werden konnte. Wir sprachen mit dem Ukrainer über seine Beweggründe nach Deutschland zu kommen und in Frankfurt(O.) das Trainerteam mit seiner Erfahrung zu unterstützen.


Wie war dein eigener, sportlicher Weg, wie bist du eigentlich zum Ringen gekommen ?Artur Dzigasov: „Ich bin im Alter von 16 Jahren an das Leistungszentrum nach Kiew gekommen, bis dahin hatte ich unter meinem ersten Trainer Murik Salamov in Vladikavkaz (Ossetien) trainiert. Er hat mir die Liebe zum Ringkampfsport, aber auch den Willen zum disziplinierten Training vermittelt“.


Was waren deine größten, sportlichen Erfolge als Ringer ?Artur Dzigasov: „In Kiew habe ich mit Yuri Mistulov trainiert, er hat mir alle Grundlagen des griechisch-römischen Ringampfsportes vermittelt. Ich habe die Meisterschaft der Ukraine 10 Mal gewonnen, war Weltmeister und Bronzemedaillengewinner der Spartakiade der Völker der damaligen UdSSR. Bei den Olympischen Spielen in Atlanta hatte ich mich im Halbfinale leider verletzt“.


Wann begann deine Laufbahn als Trainer ?Artur Dzigasov: „Nach dem aktiven Sport begann ich 1997 als Trainer zu arbeiten, war bereits frühzeitig Trainer der ukrainischen Nationalmannschaft. 2012 wurde ich zum Cheftrainer der ukrainischen Nationalmannschaft berufen. Den größten Erfolg feierten wir bei den Weltmeisterschaften 2015 in Las In Vegas (USA), wo unsere Athleten 4 Medaillen gewonnen haben und unsere Auswahl den dritten Platz, in der Teamwertung-, vor den Nationalmannschaften Russlands und Aserbaidschans belegte. Meine Sportler waren Zhan Beleniuk, Armen Vardanyan, Vasily Rachiba, Suren Gevorkyan und viele andere bekannte Weltspitzenringer“.


Was hat dich bewogen, nach Deutschland in den Bundesstützpunkt Frankfurt(O.) zu kommen ?Artur Dzigasov: „Es gibt hier interessante Ringer mit großem Potenzial, wie Andrei Ginc und Franz Richter, junge Sportler mit großer Zukunft. Aber ich hoffe auch auf Christian John und Erik Weiß, die noch einmal angreifen können, sowie Junioren wie Maximilian Simon, oder Martin Hettler, aber auch viele andere  junge Kämpfer“. 


Welche Ziele hast du dir hier an der Oder gestellt ?Artur Dzigasov: „Ich wünsche mir eine gute Zusammenarbeit mit dem Trainerteam, sowie den Partnern des Ringkampfsportes in der Region, damit verbunden ein gemeinsames Verständnis für den Trainingsprozess, dann werden wir Erfolg haben. Ich danke den Verantwortlichen des Ringer- Verbandes Brandenburg und deren Partnern für das Vertrauen in meine Person“.

Auto & Foto: Jörg Richter

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