Der Weg nach Tokio führte über Sofia 

Beim Olympiaqualifikationsturnier in Sofia sind am ersten Kampftag alle deutschen Freistilringer ausgeschieden. Erik Thiele (97 kg) und Ahmed Dudarov (86 kg) wurden vor diesem Wettkampf in der bulgarischen Hauptstadt noch die besten Chancen eingeräumt ins Finale vorzustoßen, um eines der begehrten Olympiatickets wieder mit nach Hause zu nehmen. 

Ahmed Dudarov gewann seinen Auftaktkampf gegen Unurbat Purevjav (MGL) mit 12:1-Punkten, noch vor Ablauf der sechsminütigen Kampfzeit, durch technische Überlegenheit, verlor dann aber im Achtelfinale gegen Azamat Dauletbekov (KAZ) hauchdünn mit 4:5-Punkten. Erik Thiele scheiterte im Achtelfinale an Abraham Conyedo Ruano (ITA) mit 1:4-Punkten und war damit wie Dudarov aus dem Rennen um die Olympiafahrkarten, die nur an die beiden Finalteilnehmer vergeben werden. Allerdings gab es auch diesmal wieder Zweifel an einem Kampfrichterentscheid, als Thiele den Italiener aus der Kampffläche drängen wollte. War der Fuß von Conyedo Ruano draußen, oder nicht? Bundestrainer Jürgen Scheibe forderte den Videobeweis und verlor. Statt 1:1 stand es nach verlorenem Videobeweis 0:3, obwohl die Aktion klar von Thiele ausging, ein Rückstand, den der Ringer vom KAV Mansfelder Land nicht mehr aufholen konnte. Abraham Conyedo Ruano erreichte das Finale, damit ging es für Erik Thiele am Folgetag weiter. Nach gewonnenem Hoffnungsrundenduell gegen Elyse Manouan(CIV) zog Erik Thiele ins kleine Finale um Bronze ein, das er kampflos gewann, da sein Gegner Ahmed Bataev (BUL) wegen einer Verletzung nicht antrat. Die Bronzemedaille als klitzekleines Trostpflaster für die entgangene Olympiaqualifikation. Alexander Semisorov (65 kg) kam über den ersten Kampf nicht hinaus, der Freistilringer vom RV Rümmingen 06 verlor gegen Nikolai Grahmez (MDA) mit 6:16 Punkten. 

Der Youngster im DRB-Team, Niklas Stechele (57 kg), begann im leichtesten Limit siegreich. In einem turbulenten Kampf schulterte der DRB-Ringer seinen Kontrahenten aus der Dominikanischen Republik Juan Ramirez Beltre in der letzten Sekunde des Kampfes, nachdem er zu Beginn des Kampfes schon 0:6 und 4:8 in Rückstand lag. Das Achtelfinale ging für Stechele gegen Givi Davidovi (ITA) allerdings mit 1:2-Punkten verloren.


Damit bleibt es bei einer Qualifikation für die deutschen Freistilringer, die durch Schwergewichtler Gennadij Cudinovic (125 kg) bei der Europa-Qualifikation in Budapest erkämpft wurde.


 Kein Fortuna bei den Frauen

Starke Teilnehmerfelder gab es auch bei den Ringerfrauen. Luisa Niemesch (62 kg) kämpfte sich in ihrem Limit durch die Konkurrenz bis ins Halbfinale. Auf dem Weg dorthin bezwang die Ringerin des SV Germania Weingarten Jessica Brouilette (CAN) mit 7:0. Im Achtelfinale behielt Luisa Niemesch gegen Tetiana Omelchenko (AZE) beim 1:1, bedingt durch die zuletzt vergebene Wertung, die Oberhand. Genauso spannend machte es die Nordbadenerin auch eine Runde später, beim 2:2, als sie gegen Etane Ngolle (CMR) elf Sekunden vor Kampfende die entscheidende Wertung erzielte. Im Halbfinale scheiterte die DRB-Ringerin an Liubov Ovcharovka (RUS) mit 0:8-Punkten. Damit war sie im Kampf um die Olympiafahrkarte aus dem Rennen. Denn nur die beiden Finalistinnen komplettieren das Teilnehmerfeld beim olympischen Turnier Anfang August.


 Die frischgebackene EM-Dritte von Warschau, Annika Wendle, startete mit einem 6:2-Sieg über Shokhida Akhmedova (UZB), verlor im Achtelfinale jedoch klar gegen Olga Khoroshavtseva (RUS), während Laura Mertens in ihrem Auftaktkampf gegen Mathilde Riviere(FRA) mit 0:5 das Nachsehen hatte. Auch Lisa Ersel scheiterte an einer Französin, nach einer 0:3-Punktniederlage gegen Julie Sabatie kam für die DRB-Ringerin vom SV Luftfahrt Berlin das frühe Aus. Annika Wendle (53 kg), Laura Mertens (57 kg) und Lisa Ersel (50 kg) waren nunmehr mit Niederlagen belastet, konnten damit das Finale nicht mehr erreichen und verpassten damit die letzte Chance, sich ins olympische Turnier zu kämpfen.  

Da die Gegnerinnen von Annika Wendle und Laura Mertens das Finale erreichten, ging es für die beiden DRB-Starterinnen weiter. Nach verlorenem Halbfinale kämpfte auch Luisa Niemeschgegen die Siegerin der Hoffnungsrunde um Bronze. Und die Weingartenerin schaffte nach einem Sieg über Kriszta Incze (ROU) mit 2:0-Punkten den Sprung auf das Bronzetreppchen.

Laura Mertens (57 kg) verlor den Bronzekampf gegen Giullia Oliveira (BRA) mit 0:4 und beendete die Olympiaqualifikation in Sofia auf dem fünften Rang, während Annika Wendle in der Hoffnungsrunde mit 4:6-Punkten an Iulia Leorda (MDA) scheiterte und damit aus dem Turniergeschehen ausschied.


 Öhler scheiterte knapp an Omarov


 Peter Öhler (97 kg) war dagegen die letzte deutsche Hoffnung für eine weitere Olympiateilnahme in Tokio. Für die Griechisch-Römisch-Spezialisten des Deutschen Ringer-Bundes wäre es die fünfte von sechs möglichen Startplätzen gewesen. Doch der Tscheche Artur Omarov ließ Öhlers Olympiatraum mit einem knappen 3:2-Erfolg gegen den Südbadener im Halbfinale platzen. Fast hätte sich Peter Öhler nach der Odyssee der letzten Jahre mit einer Sperre wegen Dopingverdachts, einem späten Freispruch und einem Kreuzbandriss nach seinem Wiedereinstieg, mit einem Olympiaticket selbst entschädigt, ja gar belohnt. Er bezwang Luillys Perez Mora (VEN), der im Vorjahr bei den Pan-Amerikanischen Meisterschaften Bronze gewonnen hatte mit 4:2-Punkten und warf im Achtelfinale auch Kevin Castillo (HUN) mit 4:1-Zähler aus dem Rennen. Im Viertelfinale dann das knappe Aus gegen Omarov. Öhlersfulminanter Endspurt brachte keine Wende mehr im Kampf gegen den Tschechen, der später mit seinem Einzug ins Finale das Olympiaticket löste. 

Für Öhler öffnete sich der Weg über die Hoffnungsrunde ins kleine Finale um Bronze. Sein Hoffnungsrundenduell gewann Öhler glatt mit 4:0 gegen den Schweizer Damian van Euw. Damit stand der Ringer aus der kleinen Schwarzwald-Gemeinde Mühlenbach im Kampf um Bronze. Doch gegen Vilius Laurinaitis (LIT) fehlte dem Modellathleten einfach die technischen Mittel, um den Sieg aus dem Feuer zu reisen. Allein Kampfgeist reichte gegen den Litauer nicht, der das Duell mit 5:3 für sich entschied.


 In Tokio mit sieben Athleten

Sieben Tickets haben die deutschen Ringer bei den Ausscheidungswettkämpfen, der WM 2019 in Nur-Sultan und der kontinentalen Qualifikation in Budapest erkämpft. Eine Anzahl, mit der man im Vorhinein nicht rechnen konnte. Allein vier Tickets gehen an die Griechisch-Römisch-Spezialisten Etienne Kinsinger (60 kg), Frank Stäbler (67 kg), Denis Kudla (87 kg) und Eduard Popp (130 kg). Zweimal bejubelten die Frauen durch Aline Rotter-Focken (76 kg) und Anna Schell (68 kg) den Gewinn einer Fahrkarte nach Tokio, während der ins Schwergewicht aufgerückte Gennadij Cudinovic (125 kg) als einziger Freistilspezialist in Budapest die Türe zu Olympia aufstieß. 

Autor: Jörg Richter

Foto: Kadir Caliskan (UWW)
 

Kein Olympia-Ticket für den ÖRSV

Der österreichische Ringsportverband wird nach den erfolgreichen Teilnahmen bei den Spielen in London und Rio in Tokio leider nicht vertreten sein.

Beim letzten Welt-Olympia-Qualifikationsturnier in Sofia (Bulgarien) scheiterten die dreiHeeressportler im Freien Stil, Gabriel Janatsch (A.C. Wals) bis 65 Kilo, Simon Marchl (A.C. Wals) bis 74 Kilo und Johannes Ludescher (KSK Klaus) bis 125 Kilo bereits im Achtelfinale und schieden nach Auftaktniederlagen aus dem Wettbewerb aus.

Beim Turnier der Griechisch-Römisch-Spezialisten musste Polizeisportler Daniel Gastl (RSC Inzing) bis 97 Kilo nach der langen Verletzungspause gegen Damian van Euw (Schweiz) eine bittere 1:2-Punkteniederlage hinnehmen und schied damit ebenfalls aus. Michael Wagner, der bei den Europameisterschaften in Warschau einen guten neunten Platz belegte, konnte im Achtelfinale gegen Dimitri Papadopulos (Griechenland) nach Punkten gewinnen, musste jedoch im Viertelfinale gegen Olympiasieger David Chakvetadze eine 0:6-Punkteniederlage hinnehmen.  Da der russische Ringer das Finale verfehlte, konnte der Polizeisportler auch nicht mehr über die Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen. 

Die größte Olympiahoffnung des ÖRSV, die Bronzemedaillengewinnerin der Weltmeisterschaft von 2017 und Vize-Europameisterin von 2019, Polizeisportlerin Martina Kuenz vom RSC Inzing,konnte ihren Auftaktkampf gegen Amy Joun (Elfenbeinküste) mit 11:0 gewinnen. Im Viertelfinale setzte sie sich gegen die EM-Dritte von 2019, Zanett Nemeth (Ungarn), mit 4:1-Punkten durch und stand im Halbfinale der Vize-Europameisterin des Vorjahres, Yasemin Adar(Türkei) gegenüber, die bei den Weltmeisterschaften 2018 ebenfalls Silber gewann. Nach dem Sieg über die Türkin beim Europa-Qualifikationsturnier in Budapest musste Martina Kuenzdiesmal eine schmerzliche Punkteniederlage verbuchen. Damit verpasste die ÖRSV-Starterin den Finaleinzug und auch das Ticket nach Tokio. Für Martina Kuenz ging es nach dem verlorenen Halbfinale gegen die U23 Weltmeisterin von 2019, Marin Potrille (Cuba), um die Bronzemedaille. Dieses Duell ging mit 2:2-Punkten, bedingt durch die höhere Punktwertung, an die Kubanerin. Der letzte Verzweiflungsangriff von Martina Kuenz kam Bruchteile von Sekunden zu spät.

Quelle: ÖRSV

Foto: Kadir Caliskan (UWW)

Rang drei für Andreas Vetsch in Sofia

In Sofia ging um „alles oder nichts“: In Sofia beim letzten Welt-Olympia-Qualifikationsturnier hat es nur ein Schweizer Ringer aufs Podest geschafft. Doch das Ticket konnte Andreas Vetsch in der bulgarischen Hauptstadt nicht lösen. Für die Schweizer geht damit nur Stefan Reichmuth in Tokio auf Medaillenjagd. Der Willisauer qualifizierte sich bereits 2019 bei der WM in Nur-Sultan im Limit bis 86 Kilo im Freistil durch den Gewinn der Bronze-Medaille.

Beim Last-Chance-Turnier gingen die Freistiler Marc Dietsche (74 kg) und Samuel Scherrer (97 kg) als erstes auf die Matte. Dietsche kam nicht über die Qualifikationsrunde hinaus. Scherrer dagegen schaffte den Sprung in die Hoffnungsrunde, ehe er am Polen Radoslaw Baran scheiterte.

Die Griechisch-Römisch-Spezialisten Nicolas Christen (77 kg) und Ramon Betschart (87 kg) scheiterten bereits in der Qualifikation. Damian von Euw (97 kg) durfte in der Hoffnungsrunde wieder ran. Nach seinem Auftaktsieg über den ÖRSV-Starter Daniel Gastl (2:1), verlor er gegen Artur Omarov aus Tschechien denkbar knapp mit 1:1. Der Deutsche Peter Öhler war für von Euwdann im weiteren Weg eine Nummer zu groß. Nach der 0:4-Niederlage war das Turnier für ihn beendet. Nur Andreas Vetsch schaffte es aufs Podium. Im Limit bis 67 Kilo verlor der Schweizer seinen Auftaktkampf gegen Parviz Nasibov mit 1:3. Der Ukrainer das Finale erreichte, ging es für Vetsch in der Repechage weiter. Nach dem Sie über den Peruaner Nilton Soto Garcia (3:3) zog er kampflos in den Kampf um Bronze, weil der Aserbaidschaner Rasul Chunayev nicht antrat. Gleiches Schicksal ereilte Andreas Vetsch im kleinen Finale. Der Japaner Shogo Takahashi blieb dem Kampf fern. 

Autor: Stefan Günter

Foto: Kadir Caliskan (UWW)

Weg zum Olymp scheint vorgezeichnet zu sein, als ihm der Bundestrainer Michael Carl die Olympia-Qualifikation zusagt. Die Voraussetzung: Platz eins bis fünf bei der WM oder Finaleinzug bei einem kontinentalen Quali-Turnier oder Finaleinzug bei einem Welt-Quali-Turnier. Drei Chancen – das sollte für den Hochveranlagten zu machen sein. Doch dann kommt Corona und wirbelt alle Trainings- und Wettkampfpläne durcheinander. Bei der WM verpasst er, gehandicapt durch einen im Training gebrochenen Mittelhandknochen, die Quali. Alle Turniere fallen pandemiebedingt aus. Für Roland heißt dies: keine weiteren Leistungsnachweise möglich – lediglich beim GrandPrix in Dortmund kann er nochmal Wettkampfpraxis sammeln, kann sich aber dort nicht durchsetzen. Schlechte Nachrichten aus seinem direkten persönlichen Umfeld raubten ihm die auf Weltklasse-Niveau notwendige Konzentration. Der Bundestrainer setzt dennoch weiter auf seinen Top-Athleten und setzt zum Jahresende 2020 ein Ausringen um die Qualiplätze mit der Nummer zwei in Deutschland und einigen anderen Ringern an – Roland Schwarz wittert seine Chance. Er hat wieder einen sehr guten Leistungsstand erreicht und bereitet sich akribisch auf den entscheidenden Wettkampf vor. Dann die Hiobsbotschaft: Im Vereinstraining – das für die Profis ja auch im Lockdown weiterlief – tritt ein positiver COVID-19-Fall ein. Schwarz muss daraufhin als Kontaktperson für zwei Wochen in Quarantäne. Er verpasst das Ausringen. Der Fokus des Bundestrainers liegt nun auf den anderen Ringern.

Die Bandscheibe streikt – die Quali-Uhr tickt weiter

Der Bayerische Ringer-Verband baut aber weiter auf Roland Schwarz und unterstützt ihn auf seiner „Road to Tokyo“. Dann erneut ein Rückschlag. Ende 2020 kommt er mit einer Bandscheibenverletzung aus dem Trainingslager zurück und muss operiert werden. Die Uhr tickt gnadenlos weiter. Es wird immer enger für den Ringer. Schwarz kämpft sich zurück, während sein direkter Konkurrent keinen Kampf im kontinentalen Quali-Turnier gewinnen kann. Geht da noch was für den Bayern? Die gesamte Trainerschaft des Bundesstützpunktes Ringen in Bayern am Standort Nürnberg arbeitet zielgerichtet auf Rolands Comeback hin. Der zahlt es mit top Leistungen zurück und kann in Kroatien im Trainingslager der Nationalmannschaft auch den Bundestrainer wieder auf sein Wiedererstarken aufmerksam machen. Der direkte nationale Konkurrent von Roland um den Quali-Platz akzeptiert die Entscheidung des Bundestrainers aber aus unbekannten Gründen nicht, geht dem direkten Vergleich aus dem Weg und tritt nicht zum Ausringen an.

Die letzte Chance in Sofia

Bundestrainer Carl nominiert daraufhin Roland Schwarz für das letztmögliche Qualiturnier, bei dem es nur einen Startplatz pro Nation gibt. Roland wittert seine Chance, bereitet sich hart und ungemein akribisch vor. Seine Chancen stehen gut. Der Bundestrainer sieht, dass sein Ringer wieder fast seinen Ausgangsleistungstand erreicht hat und hoch motiviert ist. Und dann das: Kurz bevor er zum entscheidenden Qualifikationsturnier in Sofia aufbrechen will, spürt Roland Schwarz Grippesymptome. Zwei Corona-Schnelltests schlagen positiv an, der PCR-Test bringt die traurige Gewissheit: Roland Schwarz hat sich mit COVID-19 infiziert. Alle Anstrengungen, das Überwinden von Verletzungen, das zielgerichtete Training, das Zurückkämpfen zum alten Leistungsstand sind umsonst – der Traum von Olympia – der Lebenshöhepunkt eines jeden Sportlers – schien zum Greifen nah. Nun ist er durch Corona geplatzt. Roland Schwarz hat für seinen olympischen Lebenstraum gekämpft. Mit aller Leidenschaft und Härte gegen sich selbst. Er hat ihn nicht auf der Matte verloren. Auch das ist Sport. Was bleibt? Als Kämpfer hat Roland Schwarz auf seinem Weg zum Olymp seine Extra-Klasse und Größe bewiesen. Er ist damit auch ein starkes und vor allem sehr authentisches Vorbild für junge Ringer in Bayern. Das mag für ihn jetzt gerade nur ein schwacher Trost sein. Aber Rolands sportliche Geschichte ist damit auch über den verpassten Olympia-Moment hinaus wertvoll. Und sie ist ja auch noch lange nicht zu Ende. 

Autor: Markus Schick

Foto: Kadir Caliskan


 Das Ziel der Ringerin Eyleen Sewina für das Wettkampfjahr 2021 war ein Start bei der Europameisterschaft der Altersklasse U23, doch nun flatterte von Bundestrainer Patrick Loesgar eine Einladung für die Frauen-Europameisterschaft ins Haus, die vom 19. bis 25. April in Warschau ausgetragen wurde. Eyleen Sewina startet für ihren Heimatverein RSV Rotation Greiz und trainiert seit 2016 am Bundesstützpunkt Frankfurt(O.) unter den Fittichen von Michael Kothe. Für ihr Ziel, einmal auf dem obersten Treppchen zu stehen, wechselte Sewina2016 vom Trainingszentrum Jena an die Oder. „Dort hatte ich einfach mehr Möglichkeiten und vor allem mehr Trainingspartnerinnen“, so Eyleen Sewina, die inzwischen in Frankfurt(O.) heimisch geworden ist.

Ihre ersten Schritte auf einer Ringermatte machte sie 2005 in einer Schul-AG in Greiz. 2011 kam die junge Ringerin aus Greiz an die Sportschule nach Jena, wo sie eine leistungssportliche Laufbahn einschlug. Drei Jahre trainierte sie am dortigen Stützpunkt, bis sie sich nach Frankfurt(O.) orientierte, wo in den letzten zehn Jahren ein großes Zentrum für den weiblichen Ringkampf entstand. Ringsport-Magazin hat sich mit Eyleen Sewina unterhalten.

Frauenringkampf - das ist für viele Sportinteressierte eine noch etwas unbekannte Sportart. Wie sieht man das von der Ringermatte aus?

Sewina: Ich finde Frauenringen ist durch viele Erfolge schon etwas populärer geworden. Selbst in den Ligenbetrieb hielt der weibliche Bereich Einzug, bei Olympischen Spielen sind wir mit den Männern gleichwertig aufgestellt. 


 Was macht für Dich Ringen als Sportart aus?

Sewina: Es ist eine Faszination. Man kann sich - und sein Können nach fairen Regeln ausprobieren, Ziele setzen, danach trainieren, um dann auf dem Siegertreppchen einmal ganz oben zu stehen.


 2018 in Rom hätte es fast geklappt, am Ende wurde es Silber. Was bekommt man da im Umfeld der Titelkämpfe alles mit?

Sewina: Sportlich war es ein schöner Erfolg für mich, der natürlich für die Zukunft motiviert. Vom Umfeld der „Ewigen Stadt“ haben wir kaum etwas mitbekommen. Am Samstag war das Finale, am Montag ging es bereits zurück in die Heimat, wo ich toll empfangen wurde. Es war eine großartige Leistung des gesamten Teams. Immerhin haben wir in Rom fünf Medaillen allein im weiblichen Bereich geholt. 

Apropos „toller Empfang zu Hause“ - die Drähte nach Greiz glühen noch, zudem Du eine der wenigen Ringerinnen bist, die für Thüringen starten?

Sewina: Natürlich, schließlich leben meine Eltern dort und auch zum Verein gibt es zahlreiche Kontakte, zu Feierlichkeiten und den Mannschaftskämpfen bin ich immer willkommen.


 Die Frage nach dem Trainings- und Wettkampfkalender in Corona-Zeiten darf an dieser Stelle nicht fehlen?

Sewina: Wir haben 2020 mit Lauf- und Heimtraining begonnen, bis dann zumindest das Training der Leistungskader wieder beginnen durfte. So konnten wir uns auch auf die anstehenden Höhepunkte vorbereiten. Vergangenes Jahr hatte ich mir zwei Wochen vor der U23-Europameisterschaft das Außenband im Knie verletzt und konnte nicht antreten. Diese Verletzung ist nun ausgestanden und ich kann das Knie wieder voll belasten”. jr

Autor: Ringsport Magazin

Foto: Kadir Caliskan

Nur zwei Bayern werden bei der anstehenden Welt-Olympia-Qualifikation in Sofia über die Waage schreiten: Der Westendorfer Freistilspezialist Niklas Stechele (57 kg) und Roland Schwarz, der sich im Limit bis 77 Kilo der Griechisch-Römisch-Spezialisten im großen Teilnehmerfeld eines von insgesamt zwei Tickets sichern möchte.

Verletzungsbedingt konnte der Vize-Europameister von 2019 bei der ersten Olympia-Qualifikation nicht teilnehmen. Ein Nerv drückte den 24-Jährigen auf die Bandscheibe. Ringerdoc Klaus Johann operierte den Bundesliga-Akteur des SV Wacker Burghausen. Drei Tage nach dem Eingriff startete Schwarz mit den Reha-Maßnahmen. Sechs Wochen später stand er sogar wieder auf der Matte. In Kroatien, bei einem Trainingslehrgang, konnte er sich sogar wieder mit der internationalen Konkurrenz messen. „Ich bin fit, wenn nicht sogar fitter als vor meiner Verletzung“, strotzt Roland Schwarz vor Selbstvertrauen. Bei der Olympia-Quali in der bulgarischen Hauptstadt traut sich der DRB-Kaderathlet den großen Coup zu. Insgesamt sind im Limit bis 77 Kilo 34 Teilnehmer gemeldet. Auffallend ist, dass selbst noch der Serbe Viktor Nemes, Weltmeister von 2017, noch nicht das Ticket gelöst hat. Auch der Olympiasieger von 2012 und dritter Weltmeister von 2018,
Hyeonwoo Kim aus Korea, muss sich noch beweisen. „Ich lasse mich von Namen nicht abschrecken“, zeigt sich Schwarz optimistisch nach Frank Stäbler, Etienne Kinsinger, Eduard Popp und Denis Kudla auch auf den Olympiazug aufspringen zu können. Je näher der Tag X kommt, desto größer sei die Vorfreude. „Mein Ziel war es schon von klein auf bei den Olympischen Spielen mit dabei zu sein. Ich werde das Maximum abrufen.“

Selbst Patric Nuding, Bundesstützpunkttrainer in Nürnberg, weiß, dass Roland Schwarz auf seinem steinigen Weg zum Erreichen des Olympiatickets alles andere ausblenden muss. „Er hat nach den ganzen Rückschlägen nie das Ziel verloren. Roland hat viel gearbeitet. Jetzt in Sofia kann er an einem normalen und guten Tag jeden besiegen.“ Für Nuding sei Schwarz ein Instinkt- und Gefühlsringer, was ihn auch zu einem unangenehmen Gegner mache. Für Matthias Fornoff, hauptamtlicher Landestrainer des Bayerischen Ringer-Verbandes, habe es Schwarz selbst in der Hand. „Ich traue ihm den großen Wurf zu.“ Seit über 15 Jahren kennt Fornoff seinen Schützling genau, wie auch dessen Stärken und Schwächen. „Roland steht vor einem harten Turnier. Wenn er ruhig und konzentriert bleibt, seine Stärken ausnutzt und dabei nicht überheblich wird, kann er natürlich etwas reißen.“ Ins gleiche Horn stößt auch DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, der Roland Schwarz als „sehr ehrgeizigen“ Athleten beschreibt. „Roland hat das technische Know-How, um gegen die besten Ringer der Welt zu gewinnen“, verweist er dabei auf die Silbermedaille bei der EM 2019 in Bukarest oder Platz drei beim Individual-World-Cup 2020 in Serbien. In Belgrad rang Schwarz allerdings im Limit bis 82 Kilo. Der Sportdirektor ist sich bewusst, das Olympia-Quali-Turnier wird für keinen Ringer zu einer Art Selbstläufer. „Du brauchst als Ringer immer ein Stück Demut, um auch über sich hinauswachsen zu können“, blickt Zamanduridis auf das erste Quali-Turnier in Ungarn zurück, als Etienne Kinsinger in schier aussichtsloser Situation das Unmögliche noch möglich machte und seinen Halbfinalkampf noch gewann.

Es ist seine letzte Chance, aber Daniel Gastl will sie nutzen. Der Spitzensportler des Österreichischen Ringsportverbandes (ÖRSV) tritt vom 6. bis 9. Mai bei der Welt-Olympia-Qualifikation in Sofia an. Gastl kommt in diese Stadt zurück, wo er vor acht Jahren Vize-Weltmeister bei den Junioren wurde.

Der Tiroler konnte aufgrund einer Schulterverletzung bei der ersten Qualifikation Mitte März in Budapest nicht dabei sein. Drei Sehnen riss er sich beim Abschlusslehrgang in Ungarn ein, was einen Start nicht möglich machte. Hin und wieder spürt Gastl bei seinen Bewegungen etwas. „Doch es ist stabil“, so der 28-Jährige. Aufgrund der Termin- und Zeitdichte konnte er seine lädierte Schulter nicht so auskurieren wie er es eigentlich wollte. Fünf bis sechs Wochen hätte er seine Schulter mindestens schonen müssen, doch es blieb nur wenige Zeit.

In Sofia wartet auf den Inzinger nicht nur die letzte Chance für Olympia im Corona-Jahr 2021, sondern auch ein knallhartes Teilnehmerfeld im Halbschwergewicht. Dass die Vorbereitung auf dieses hochkarätige Event in der bulgarischen Hauptstadt nicht so optimal verlief, wie es sich Gastl vorstellte, kommt noch hinzu. „Ich kann nur überraschen, aber ich werde das Beste aus mir herausholen“, kommt im Gespräch mit dem Tiroler doch der unbändige Wille zum Vorschein.
Bei der europäischen Olympia-Quali in Ungarn lösten der Finne Arvi Savolainen und der Bulgare Kiril Milov das Ticket für Tokio. In Sofia kommen Starter aus der ganzen Welt zusammen, die den Traum einer Teilnahme bei den Olympischen Spielen verwirklichen möchten. Fünf Jahre trainierte Gastl auf diesen Moment hin. Beinahe hätte eine Verletzung ihm die Chance zunichte gemacht. „Ich bin echt froh, dass ich starten kann“, musste er doch immer wieder Rückschläge hinnehmen.

Mit Martina Kuenz (76 kg), Daniel Gastl (97 kg), Michael Wagner (87 kg) und Aker al Obaidi (67 kg) werden in Sofia allein vier Inzinger aus der rund 4.000 Seelengemeinde in Sofia auf die Matte gehen, wobei al Obaidi offiziell für die UWW startet und Mitglied des Olympia Refugee Teams ist. Für Gastl habe seine Vereinskollegin die größten Chancen auf den Olympiazug aufzuspringen. Auch ÖRSV-Sportdirektor und Bundestrainer Benedikt Ernst traut Kuenz, Gastl und auch Wagner den großen Wurf zu.

Gastl selbst hat mit Sofia sehr gute Erfahrungen gemacht. So wurde er 2013 in der bulgarischen Hauptstadt Vize-Weltmeister bei den Junioren. Von daher dürfte ihn der Auftritt gleich doppelt beflügeln. „Dani ist heiß. Ich bin überzeugt von seinen Fähigkeiten“, dürfte auch die Aussage von Benedikt Ernst Gastl pushen.

Autor: Stefan Günter

Foto: Kadir Caliskan

Patric Nuding ist neuer Bundesstützpunkttrainer für den griechisch-römischen Bereich in Nürnberg. Der 39-Jährige hat seinen Posten in der Frankenmetropole am 19. April offiziell angetreten. 

„Wir haben Patric Nuding unter zahlreichen Bewerbern ausgewählt und uns auf diese Personalentscheidung verständigt“, so BRV-Vizepräsident Sport Florian Geiger, der ihm einen glücklichen Einstieg in das Trainerleben im Leistungssport wünscht. „Das gesamte Präsidium freut sich auf eine gute und erfolgreiche Zusammenarbeit.“ Die Leitung des Bundesstützpunktes obliegt weiterhin bei Marcel Fornoff, der auch federführend die Freistiler unter sich hat.Patric Nuding ist in der Ringerszene längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: Der ehemalige Bundesliga-Profi hatte viele Stationen in seiner aktiven Laufbahn. Hervorzuheben sind der KSV Aalen und der ASV Mainz. Mit beiden Teams holte er sich jeweils den Gewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaft. Auch für den damaligen Bundesligisten SV Siegfried Hallbergmoos ging er auf die Matte. Allein zwölf Jahr rang er in der höchsten deutschen Liga. Seit fast zehn Jahren gibt er nun Kommandos als Trainer am Mattenrand. Durch die Position des Bundesstützpunkttrainers in Nürnberg macht er seine Leidenschaft Ringen nun zum Beruf. Für ihn ist es ein Geschenk. „Um den Job auch optimal ausfüllen zu können, verlagere ich meinen Lebensmittelpunkt nach Nürnberg, um somit die volle Konzentration einbringen zu können“, freut sich Nuding schon auf seine künftigen Aufgaben. Er sieht sich als verlängerter Arm der Nationalmannschaft in Bayern. Allerdings wird Patric Nuding in der bevorstehenden Bundesliga-Saison noch als Coach der Red Devils Heilbronn zweigleisig fahren, ehe er sich im kommenden Jahr vollkommen auf seinen Job als Bundesstützpunkttrainer konzentriert. sg

Autor: Stefan Günter

Foto: BRV

Anfang Februar hatte der RV NRW mit Unterstützung seiner Partner erneut eine hauptamtliche Landestrainerstelle ausschreiben können, welche es mit Wirkung zum 1. April zu besetzen galt. Aufgrund der augenblicklichen Trainerstruktur wurde ein Freistilspezialist gesucht. Gleich mehrere Kandidaten hatten sich beworben, doch die Wahl ist letzten Endes auf ihn gefallen: Cengiz Çakıcı, 48, gebürtiger Mainzer, einer großen und erfolgreichen Ringerfamilie entstammend. 

Viele kennen den sympathischen Ur-Mainzer noch aus seiner aktiven Zeit: Der zweifache Deutsche Meister (1998/85 kg und 2003/96kg), WM-, EM- und Weltcup-Teilnehmer (jeweils 2003) war nämlich für diverse Bundesligisten auf die Matte gegangen. So hatte er die Trikots des ASV Mainz 88, der RWG Mömbris/Königshofen, des KSV Aalen, des AC Bavaria Goldbach und des Flaggschiffs KSV Witten 07 getragen.

Doch auch als Trainer kann er bereits einiges vorweisen: Er besitzt die DOSB-Trainerlizenz A Leistungssport und hat schon einige Erfahrung durch seine Engagements beim ASV Mainz 88 (Jugendtrainer) und dem SV Alemannia Nackenheim (Bundesliga) erlangt. Der RingerverbandNRW ist somit seine dritte namhafte Trainerstation, auf die er sich nach eigenen Angaben ganz besonders freut: „Der Landestrainerjob in NRW ist für mich eine Herzensangelegenheit. Bereits als Jugendlicher habe ich mich hier schon wohl gefühlt und die besondere Atmosphäre genossen, als mein Bruder Ahmed (WM-Dritter 1989, Anm. d. Red.) in Witten noch gegen Leute wie Ralf Lyding auf die Matte gegangen war. Später durfte ich dann selbst unter Trainer Jörg Helmdach in dieser Mannschaft stehen und habe die tolle Zeit als sehr gewinnbringend erlebt. Es war nicht nur aus sportlicher Sicht eine außergewöhnlich schöne Erfahrung, an die ich heute noch oft zurückdenken muss. Ich kenne hier viele Leute: Nicht nur aus Witten, sondern auch aus dem NRW-Trainerteam. Daher freue ich mich ganz besonders auf die neue Aufgabe.“

Autor: Thomas Meyer

Foto: Cengiz Cakici

Olympiaticket für Tokio

Gennadji Cudinovic und Etienne Kinsinger aus dem Saarland sind aus deutscher Sicht die großen Gewinner beim europäischen Olympia-Qualifikationsturnier in Budapest. Beide Athleten holten sich in ihren Gewichtsklassen in beeindruckender Manier das Ticket für die Olympischen Spiele in Tokio.

Am ersten Wettkampftag erkämpften sich die deutschen Freistilringer ihr erstes Ticket. Gennadji Cudinovic (125 kg) fegte im Halbfinale Jamaladdin Magomedov (AZE) mit 16:6-Punkten von der Matte und holte mit dem Finaleinzug die Fahrkarte für Tokio. Riesen-Jubel im DRB-Team. Bundestrainer Jürgen Scheibe kann somit seinen ersten Teilnehmer in der japanischen Hauptstadt auf die Matte schicken kann. 

Cudinovic gab im Finale bereits nach einer halben Minute leicht angeschlagen den Kampf gegen den Weißrussen Dzianis Khramiankou beim Stand von 0:1 wegen einer Knieverletzung auf. Der erst ins Schwergewicht gewechselte Gennadij Cudinovic hatte selbst die Fachwelt mit seinem offensiven Kampfstil überrascht und war nach seinem souveränen Auftritt mit insgesamt 32:7 Kampfpunkten der gefeierte Held des ersten Kampftages in Budapest. Nachdem die Griechisch-Römisch-Spezialisten bei den Weltmeisterschaften 2019 in Nur-Sultan (KAZ) gleich drei Olympiatickets gelöst hatten und die DRB-Frauen mit zwei Ringerinnen in Tokio antreten werden, wird nun auch die deutsche Freistilriege beim größten Sportfest der Welt durch Gennadij Cudinovic auf der Ringermatte vertreten sein.

Gennadij Cudinovic bezwang in seinem Auftaktduell zunächst den Spanier Jose Cuba Vazquez in der ersten Runde des Kampfes mit 12:1-Punkten. Im Viertelfinale glänzte der Saarländer mit einem 5:0-Erfolg über den Albaner Paris Karebi und stieß damit die Türe zum Halbfinale auf, wo er dem Aserbaidschaner Jamaladdin Magomedov im Kampf um das Olympiaticket beim 16:6 keine Chance ließ. 

Knapp gescheitert

Auch Erik Thiele begann stark. Der Halbschwergewichtler vom KAV Mansfelder Land setzte sich im Auftaktduell gegen den Griechen Timofei Xenidis mit 11:1 durch. Im Viertelfinale stand er dem Polen Radoslaw Baran gegenüber, den er nach ausgeglichenem Duell mit 2:1-Punkten bezwang. Damit zog Erik Thiele ins Halbfinale ein, wo er dem Türken Suleyman Karadeniz mit 1:2 unterlag. Sein Schlussspurt brachte Thiele am Ende der Begegnung keine Zähler mehr auf die Punktetafel. Im Kampf um Bronze blieb Thiele beim knappen 4:3-Punktsieg über den Rumänen Albert Saritov siegreich.

Drei Mal Erstrunden-Aus

Bereits nach ihren Auftaktbegegnungen schieden die weiteren DRB-Starter aus. Der erst 21-jährige Niklas Stechele (57 kg) unterlag gegen den stark auftrumpfenden Islam Bazarganov(AZE) mit 0:5-Punkten und auch Ahmed Dudarov (86 kg) verlor seinen Auftaktkampf gegen Akhmed Makamaev (BUL) mit 1:8-Punkten. Für Alexander Semisorow (65 kg) war nach dem ersten Kampf ebenfalls Schluss. Der Ringer vom RV Rümmingen unterlag dem Slowenen David Habat mit 4:8-Zählern.

DRB-Frauen enttäuschen

Nach dem Jubel am ersten Wettkampftag der Olympiaqualifikation kehrte bei den deutschen Ringerinnen, die am Folgetag um die begehrten Fahrkarten nach Tokio kämpften, Ernüchterung ein. Keine der Frauen aus der Riege um Bundestrainer Patrick Loes erreichte das Halbfinale. 

Im leichtesten Limit bis 58 Kilo verlor Lisa Ersel gegen die Polin Iwona Matkowska glatt mit 0:10, Nina Hemmer (53 kg), eine der großen Hoffnungsträgerinnen der deutschen Ringerfrauen, verlor nach 4:0-Führung gegen Iulia Leorda zehn Sekunden vor Kampfende noch mit 6:8-Zählern und war damit im Kampf um ein Olympiaticket ebenfalls aus dem Rennen. Eine Schrecksekunde gab es für die Ringerin des AC Ückerath zum Beginn der zweiten Runde, als sich Nina Hemmer bei einem Angriff der Moldawierin das Knie verdrehte, aber nach kurzer Verletzungspause weiterkämpfen konnte. Auch die erfahrene Luisa Niemesch (62 kg) wurde noch in der ersten Runde des Kampfes von Iryna Koliadenko kalt erwischt und nach einem Wurf von der Ukrainerin auf beide Schultern gedrückt.

Zumindest zwei Kämpfe absolvierte Laura Mertens (57 kg), die in der Qualifikationsrunde Kateryna  Zhydachevska (ROU) mit 6:4-Punkten bezwang. Im Viertelfinale dann das Turnier-Aus für die deutsche Ringerin nach einer knappen 3:5-Punktniederlage gegen die Schwedin Sara Lindborg. 

Am Samstagmorgen trat mit Luisa Niemesch (62 kg) die letzte deutsche Ringerin auf die Matte. Die Athletin vom SV Weingarten hatte am Freitag in der Qualifikationsrunde gegen Iryna Koliadenko verloren. Doch die Ukrainerin schaffte den Sprung ins Finale, somit zog die DRB-Starterin in die Hoffnungsrunde ein, wo sie allerdings gegen die Weißrussin Maryia Mamashuk mit 0:3 Punkten unterlag und damit endgültig ausschied.

In den letzten Sekunden

Der Höhepunkt des Tages folgte allerdings viele Stunden später, als Etienne Kinsinger den großen Coup landete. Die Art und Weise, wie der Saarländer seinen Halbfinalkampf gegen Murat Mamadov gewann, beeindruckte auf ganzer Linie. Denn der Aserbaidschaner sah bis zehn Sekunden vor Kampfende bei der zwischenzeitlichen 3:1-Führung wie der sichere Sieger aus. Der Ringer vom KSV Köllerbach setzte alles auf eine Karte, sprang auf den Gegner, der damit überhaupt nicht rechnete, und warf ihn zu Boden. Vier Wertungspunkte zum 5:3-Sieg, der Finaleinzug und das Olympiaticket obendrauf waren der Lohn für die beherzte Aktion, mit der er den Aserbaidschaner in letzter Sekunde aus dem Rennen warf.

Schon bei seinem Auftaktkampf zeigte Kinsinger sein Kämpferherz, lag der Kaderathlet gegen Helary Maegisalu aus Estland bereits mit 0:4 im Rückstand. Doch Kinsinger kämpfte sich heran und holte noch einen knappen 5:4-Punktsieg. Im Viertelfinale gelang ihm dann ein deutlicher 8:2-Erfolg über den Kroaten Ivan Lizatovic.  Damit stieß der Saarländer die Türe zum Halbfinale weit auf, das er dann spektakulär gewann. 

Im Finale trat Kinsinger gegen den Junioren-Weltmeister von 2019, Kerim Kamal (TUR), an, der zuletzt 2020 bei dem Männern Vize-Europameister wurde. Der Köllerbacher griff beherzt an, lief jedoch in einen Konter des Türken, der mit vier Punkten bewertet wurde. Diesen Rückstand konnte der DRB-Ringer bis zum Ende der sechsminütigen Kampfzeit nicht mehr aufholen, das Duell endete mit 1:5 Punkten - Silber damit für Kinsinger. 

Eisele und Azizsir ohne Fortuna

Halbschwergewichtler Ramsin Azizsir (97 kg) hatte gleich im Auftaktkampf mit dem Finnen Arvi Savolainen ein schweres Los gezogen, gegen den Welt- und Europameister der U23 von 2019 stand der DRB-Ringer beim 0:8 jedoch auf verlorenem Posten. 

Auch Pascal Eisele (77 kg) hatte mit dem Weltmeister von 2018, Aleksandr Chekhirkin (Russland), gleich im Auftaktduell einen Weltklasseringer vor der Brust, dem er das Siegen angesichts der knappen 2:5-Niederlage sehr schwer machte. Das Olympiaticket rückte für die beiden DRB-Starter in Budapest mit der Niederlage jedoch außer Reichweite.

Am letzten Wettkampftag ging es für beide Griechisch-Römisch-Spezialisten in der Hoffnungsrunde weiter. Eisele gewann seine erste Begegnung kampflos, da der Georgier Gela Bolkvadze verletzungsbedingt nicht antrat. Im zweiten Duell traf der Ringer vom SV Fahrenbach mit Viktor Nemes erneut auf einen absoluten Weltklasseringer, der bei den Weltmeisterschaften 2017 den Titel gewann, bei den Weltmeisterschaften 2018 und den Europameisterschaften 2019 jeweils Bronze wieder mit nach Hause nahm. Diese Begegnung endete 1:1, wobei die zuletzt vergebene Wertung den Kampf zugunsten des Serben entschied. Pascal Eisele, der in Budapest insgesamt ein denkbar schweres Los gezogen hatte, trotzdem ein großes Kämpferherz zeigte, war damit aus dem Rennen um die Medaillenränge.

Ramsin Azizsir traf dagegen auf den Schweden Pontus Lund, gegen den er mit 1:2-Wertungspunkten unterlag und endgültig ausschied.

Letzte ChanceDie letzte Möglichkeit, eine Fahrkarte in die japanische Hauptstadt zu erkämpfen, gibt es beim ‚Last-Change-Turnier‘ (Welt) vom 6. bis 9. Mai in Sofia (Bulgarien).

Autor: Jörg Richter

Foto: Kadir Caliskan

menu