Die Flamme ist erloschen – Großartige Empfänge für die Heimkehrer aus Tokio

by Mario

Ringen / Olympische Spiele in Tokio 

Tokio – Die olympische Flamme in Tokio ist erloschen, nun ist es an den Fans, ihre Lieblinge feierlich zu empfangen aber auch an den Sportwissenschaftlern, Journalisten, Historikern und Statistikern, die Ergebnisse von Tokio auszuwerten. Freude herrscht dabei vor allem bei den Ringern, die mit einmal Gold und zweimal Bronze das beste Ergebnis seit 1992 und 1996 einfuhren. Den Wettkämpfen folgten mehrere, schlaflose Nächte für die Athleten, Jubel und Freude über das Erreichte und ein langer Heimflug, auf dem zahllose Glückwünsche beantwortet wurden. Zu Hause wurden die Ringer großartig empfangen, so waren gefühlt ganz Musberg und Triberg auf den Beinen, der Sturm der Begeisterung war grandios, Ringen im Rampenlicht der Öffentlichkeit und auch die großen Medien kamen nicht umhin, Lobesworte an die Ringer zu vergeben und Videosequenzen zu zeigen. 
1992 in Barcelona war es Maik Bullmann der olympisches Gold gewann, Heiko Balz und Rifat Yildiz brachten Silber für den Deutschen Ringer- Bund aus Spanien mit nach Hause. Vier Jahre später war es erneut Maik Bullmann, der das olympische Turnier in Atlanta auf dem Bronzerang seiner Gewichtsklasse beendete, Thomas Zander gewann Silber, Freistilspezialist Arwat Sabejew holte wie Bullmann Bronze. 2008 brachte Mirko Englich eine Silbermedaille aus Peking wieder mit nach Hause, 2016 kämpfte sich Denis Kudla in Rio auf den Bronzeplatz seiner Gewichtsklasse.
Doch nun in Tokio, coronabedingt ein Jahr nach dem eigentlichen Termin, holte Aline Rotter-Focken historisches Olympiagold, als erste deutsche Ringerin katapultierte sie sich auf das oberste Treppchen. Frank Stäbler erkämpfte nach der Tortur der Gewichtsreduzierung um 8 Kilo, mit einer einzigartigen Energieleistung Bronze und Denis Kudla sorgte nach Bronze in Rio nun auch in Tokio für einen Bronzerang, wiederholte damit diese großartige, olympische Leistung. 
Doch auch Freistilspezialist Gennadij Cudinovic stand kurz vor einer Sensation, scheiterte nur knapp am Einzug ins Halbfinale. Nicht vergessen werden sollten Etienne Kinsinger, Eduard Popp und Anna Schell, die das gleiche Pensum absolvierten, aber am Ende keine Medaille erkämpfen konnten. 
Angesichts des schweren Qualifikationsmodus, bei dem nur noch 16 Starter je Gewichtsklasse das olympische Turnier bestreiten dürfen, stellt sich die Frage, wie die deutschen Athleten inmitten der Weltklasseathleten den Sprung auf das Podium schafften. Diese Frage beantworteten Aline Rotter-Focken, Frank Stäbler und Denis Kudla selbst; es war jahrelanges, zielgerichtetes Training auf diesen Punkt, hin zum olympischen Traum. Es waren viele Helfer, Trainer, aber auch Familie und Freunde, die ein Teil des Erfolges wurden, denn das ganze Leben der Athleten ist auf dieses olympische Turnier abgestimmt, alles andere blieb untergeordnet. Dazu die mentale Stärke, sich immer wieder auf das Wesentliche zu fokussieren und das Ziel im Auge zu behalten, beim täglichen Training, bis hin zum Tagesablauf mit Essen und Schlafen. 
Die Erfolge des 7-köpfigen Athletenteams ihrer Trainer und Betreuer sollte dem Ringkampfsport in Deutschland insgesamt neuen Schwung verleihen, angefangen bei jungen Talenten, die den Weg in die Ringerhallen finden sollten, bis hin zu Athleten, die bereits in den Spuren der Medaillengewinner von Tokio stehen.
Nach den Spielen ist vor den Spielen: Aline Rotter-Focken und Frank Stäbler beenden ihre internationale Laufbahn, wer folgt ihnen nach ? Wer könnte in den Startlisten für Paris 2024 stehen ? In drei Jahren werden bei den Weltmeisterschaften 2023 im russischen Krasnojarsk die ersten Fahrkarten für das olympische Turnier in der französischen Hauptstadt vergeben. 
Der Blick von Frank Stäbler ging beim Interview des SWR am Sonntagabend noch weiter zurück, bis zu den Wurzeln: ‚… warum sollte ein Kind Ringer, oder Ringerin werden‘ ? Stäbler: „Weil Ringen die beste Schule für das Leben ist, Ringen verkörpert einfach alles, man lernt Beweglichkeit, Ausdauer, Schnelligkeit und Kraft – und selbst wenn man später mal nicht im Ringkampfsport bleibt, man hat sich die Tugenden angeeignet, es ist die ultimative, allseitige Ausbildung, Ringer sind ‚Allrounder‘. Darüber hinaus schärft Ringen den Kopf, man lernt Disziplin, aber auch das Miteinander, sowie den Respekt vor dem Gegner“. 
Dem ist wohl nichts hinzuzufügen, der Blick geht nun nach Paris, wo die nächsten Olympischen Spiele stattfinden werden, dort hoffentlich wieder mit Publikum und grandioser Stimmung in den Stadien und Arenen der französischen Hauptstadt.

Jörg Richter
Fotos: UWW / Kadir Caliskan

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