Kinsinger holt Silber, Azizsir und Eisele scheiden in der Hoffnungsrunde aus

by Mario

Budapest - Nachdem von Donnerstag bis Samstag beim Olympia-Qualifikationsturnier in Budapest (HUN) alle Olympiatickets vergeben wurden, ging es am letzten Wettkampftag um die Medaillenränge, die auch Auswirkungen auf die Weltrangliste des Ringer-Weltverbandes United World Wrestling (UWW) haben.

Mit Pascal Eisele (77 kg) und Ramsin Azizsir (97 kg) konnten zwei Ringer über die Hoffnungsrunde erneut ins Kampfgeschehen eingreifen, die am Samstag ihre Begegnungen verloren hatten und mit Etienne Kinsinger (60 kg) stand der Held des Vortags am Abend des letzten Kampftages im Finale. 

Dort trat der Saarländer gegen den Junioren-Weltmeister von 2019 Kerim Kamal (TUR) an, der zuletzt 2020 bei dem Männern Vize-Europameister wurde. Etienne Kinsinger griff beherzt an, lief jedoch in einen Konter des Türken, der mit 4 Punkten bewertet wurde. Diesen Rückstand konnte der DRB-Ringer bis zum Ende der sechsminütigen Kampfzeit nicht mehr aufholen, das Duell endete mit 1:5 Punkten - Silber damit für Kinsinger, doch was weitaus wichtiger ist, er bringt das Olympiaticket in der Gewichtsklasse bis 60 Kilo mit nach Hause.

“Was Etienne gestern im Halbfinale gegen den favorisierten Aserbaidschaner Murad Mamadov  gezeigt hat war Wahnsinn, mit so einer Willensstärke und den Glaube an den Sieg bis zur letzten Sekunde zu ringen zeigt, dass bei solchen Wettkämpfen alles möglich ist”, so Bundestrainer Michael Carl, der sich für den griechisch-römischen Stil verantwortlich zeigt und in Tokio nach Frank Stäbler (67 kg), Denis Kudla (87 kg) und Eduard Popp (130 kg) mit Etienne Kinsinger den vierten Ringer auf die Matte schicken kann. 

Was war am Samstag geschehen ? Nach zwei Siegen in den Vorrundenbegegnungen lag Etienne Kinsinger gegen den Murad Mamadov (AZE) mit 1:3 im Rückstand, der Aserbaidschaner sah bis 10 Sekunden vor Kampfende wie der sichere Sieger aus. Der Ringer vom KSV Köllerbach setzte alles auf eine Karte, packte seinen Gegner und warf ihn zu Boden. 4 Wertungspunkte zum 5:3-Sieg, der Finaleinzug und das Olympiaticket obendrauf waren der Lohn für die beherzte Aktion, mit der Kinsinger den Aserbaidschaner in letzter Sekunde aus dem Rennen warf.

Pascal Eisele, der am Vortag seinen Auftaktkampf gegen den Weltmeister von 2018 Aleksander Chekhirkin (RUS) mit 2:5 verloren hatte, konnte mit dem Finaleinzug des russischen Ringers in der Hoffnungsrunde weiterkämpfen, wo er seine erste Begegnung kampflos gewann, da der Georgier Gela Bolkvadze verletzungsbedingt nicht antrat. Im zweiten Duell traf der Ringer vom SV Fahrenbach mit Viktor Nemes (SRB) erneut auf einen absoluten Weltklasseringer, der bei den Weltmeisterschaften 2017 den Titel gewann, bei den Weltmeisterschaften 2018 und den Europameisterschaften 2019 jeweils Bronze wieder mit nach Hause nahm. Diese Begegnung endete 1:1, wobei die zuletzt vergebene Wertung den Kampf zugunsten des Serben entschied. Pascal Eisele, der in Budapest insgesamt ein denkbar schweres Los gezogen hatte, trotzdem ein großes Kämpferherz zeigte, war damit aus dem Rennen um die Medaillenränge.

Ramsin Azizsir unterlag am Vortag dem Welt- und Europameister der U-23 von 2019 Arvi Savolainen (FIN) mit 0:8 Punkten, doch der Finne erreichte das Finale und machte für den Ringer vom SV Wacker Burghausen-, der beim ASV Hof das Ringer-A-B-C erlernt hatte, den Weg in die Hoffnungsrunde frei. Dort traf Ramsin Azizsir auf den Schweden Pontus Lund, gegen den er mit 1:2 Wertungspunkten unterlag und endgültig ausschied.

Die Fahrkarten nach Tokio sind damit bei der Olympiaqualifikation (Europa) in Budapest vergeben, zwei Olympiatickets durch Freistilringer Gennadij Cudinovic (125 kg) und Griechisch-Römisch-Spezialist Etienne Kinsinger (60 kg), die beide aus dem Saarland kommen, sind die Ausbeute aus diesem Turnier. 

Auch Jürgen Scheibe, Bundestrainer Freistil fiel mit dem Halbfinalsieg von Gennadij Cudinovic ein ganzes Gebirge vom Herzen; “...ich bin mehr als glücklich über die Qualifikation von Cudinovic - und noch bleibt uns ja eine Möglichkeit, um vielleicht ein weiteres Ticket hinzuzufügen. Gennadij Cudinovic hat seine Chance bekommen und genutzt. Auch Erik Thiele hat gut gekämpft, Endstation war im Halbfinale, beim knappen 1:2 der Europameister von 2020 Suleyman Karadeniz (TUR), der da allerdings noch eine Kategorie tiefer kämpfte, aber inzwischen auch im Halbschwergewicht erfolgreich ist”.

Damit schickt der Deutsche Ringer- Bund insgesamt 7 Athleten (4 Griechisch-Römisch-Ringer, 2 Frauen und einen Freistilringer) nach Tokio. Offen ist noch das ‚Last Change-Turnier‘ – die Olympiaqualifikation (Welt) vom 6. bis 9. Mai in Sofia (BUL), die letzte Möglichkeit noch auf den Zug zu den Olympischen Spielen in Tokio aufzuspringen. 

Autor: Jörg Richter

Foto: Kadir Caliskan

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